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FLUG REVUE 01/2015

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Alexander Gerst: Sein Blick auf die Erde. Multitalent: Tornado bleibt unverzichtbar. Erstkunde Qatar: A350 klar für den Linienflug. Pilotenbedarf: Lufthansa sagt Ausbildungskurse ab.

Raumfahrt Rückschlag

Raumfahrt Rückschlag für den Weltraumtourismus beteiligte sich als eines von 26 Teams an der Ausschreibung und gewann den Wettbewerb. Ein Testflug mit dem SpaceShipOne fand erfolgreich am 27. Juli 2004 statt; die beiden für die Qualifikation erforderlichen Flüge folgten am 29. September und am 4. Oktober jenes Jahres. Richard Branson indessen hatte wieder einmal den richtigen Riecher. Er tat sich mit viel Geld mit Rutan zusammen, und beide gründeten im September 2004, noch bevor über den Sieger des X-Preises entschieden worden war, das Unternehmen Virgin Galactic mit dem Ziel, tatsächlich vielen Menschen einen kurzen Blick ins Weltall zu erlauben. Die Namen dieser beiden Erfolgsmenschen standen für sich, die Fluggeräte, die aussahen, als stammten sie aus Science-Fiction-Filmen, weckten die Sehnsucht nach dem Abenteuer. Was also sollte Menschen davon abhalten, sich selbst einmal auf diese Reise zu begeben, was konnte schon schiefgehen? Anfang 2006 gab Branson bekannt, dass sich bereits 150 Kunden für eine feste Reservierung eines 15-Minuten-Fluges hatten eintragen lassen; 45 000 weitere Interessenten stünden auf der Liste. Alles in allem hatten die „Raumflug“-Aspiranten voller Vertrauen auf das baldige Gelingen des ehrgeizigen Vorhabens schon 13,1 Millionen Dollar an Kautionen hinterlegt. DIE SCHÖNEN UND REICHEN LOCKEN WEITERE KUNDEN AN Der Milliardär schürte den Hype noch mit der Ankündigung, er werde mit seiner kompletten Familie, einschließlich des damals 91-jährigen Vaters, beim ersten Flug dabei sein, und warb mit den Schönen und Reichen – allen voran Hollywoods Traumpaar „Brangelina“ – um weitere Teilnehmer. Skeptiker indessen wurden weitgehend totgeschwiegen, Kritik an dem ganzen Projekt war nicht zugelassen. Bei einem jedenfalls, den er zu gern als Galionsfigur für Virgin Galactic gehabt hätte, biss Branson auf Granit: William Shatner antwortete rundheraus, er würde zwar nicht ungern in die Maschine steigen, doch, so setzte der als Captain Kirk aus der TV-Serie „Raumschiff Enterprise“ bekannt gewordene Filmstar fort, „... nur wenn man mir garantiert, dass ich auch sicher wieder auf die Erde zurückkehre“. Damit hatte das Unternehmen einige Probleme, die gar nicht so leicht zu beseitigen waren. Die Tatsache, dass Branson alle Mitflieger nach der Landung zu Astronauten erklären wollte, stieß bei der Internationalen Raumfahrervereinigung ASE (Association of Space Explo- Die Trümmer bedeckten eine große Fläche in der Wüste, und es dauerte lange, sie alle einzusammeln. 76 FLUG REVUE JANUAR 2015 www.flugrevue.de

Schneeweiß, schön, aber unzuverlässig präsentieren sich das „Mutterschiff“ und das jetzt verunglückte SpaceShipTwo, hier noch in glücklicheren Zeiten. Von diesem Zeitpunkt an sollte es nicht mehr lange dauern, bis das SpaceShip den Rand des Weltraums erreicht, doch vorerst ist der Traum zerstört. Fotos: Virgin Galactic, Reuters, Reuters-McNew www.flugrevue.de rers) sofort auf energischen Widerstand, doch das war von den Problemen das kleinste. Nunmehr sollen sich also die Teilnehmer als „Privatastronauten“ bezeichnen dürfen. Schwieriger gestalteten sich da schon die Verhandlungen mit den Versicherungsgesellschaften, die letztendlich ergebnislos verliefen. Derzeit sieht es so aus, als müssten all jene, die sich auf dieses Abenteuer einlassen wollen, auf eigene Verantwortung mitmachen. Ungeklärt sind auch die Fragen eines möglicherweise erforderlichen Einsteigertrainings, der medizinischen Eignungskriterien und vor allem der Luftfahrtzulassung für das SpaceShip. All das wischte Branson als unerheblich vom Tisch und schuf ein Netzwerk von Tochterfirmen, wie beispielsweise mit der Gründung der Spaceship Company im Juli 2005, bei der das Mutterunternehmen gleich fünf Raumflugzeuge VSS (Virgin SpaceShip) und zwei Trägermaschinen VMS (Virgin MotherShip) bestellte. Zudem vereinbarte Virgin Galactic mit der Regierung des US-Bundesstaates New Mexico den Bau des Weltraumbahnhofs „Spaceport America“ mit Anfangsinvestitionen in Höhe von 200 Millionen Dollar, dafür genauso futuristisch wie die Fluggeräte. DER START VERSCHIEBT SICH INS UNGEWISSE Gleichzeitig verlegte das Unternehmen sein Hauptquartier dorthin und errichtete ein Kontrollzentrum für die künftigen Flüge. Das Testprogramm der Fluggeräte kam jedoch nur sehr schleppend voran. Seit dem ersten Solo-Gleitflug des Vehikels im Oktober 2010 fanden 21 weitere Flüge statt, nur vier davon als vom Bordtriebwerk angetriebene. Der vierte davon endete in der Katastrophe. Damit rückt der angestrebte „Linienflugbetrieb“ von Virgin Galactic vorerst in weite Ferne, auch wenn das Unternehmen nach dem Unfall die Endmontage des zweiten SpaceShipTwo in Mojave, Kalifornien, beschleunigen will. Wie lange Branson seine prominenten Zugpferde noch bei der Stange halten kann, ist ungewiss. Vor allem aber teilen sie einmütig William Shatners Meinung: Sie alle wollen sicher wieder ‘runterkommen. FR MATTHIAS GRÜNDER/VKT FLUG REVUE JANUAR 2015 77

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