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FLUG REVUE 01/2017

Zivilluftfahrt

Zivilluftfahrt Lufthansa-Abschied von der 737 chen Triebwerksanordnung unter den Flügeln vor. Die Rumpfsektionen übernahm er kostensparend im Baukastensystem von Boeing 707 und 727. Im Februar 1965 bestellte Lufthansa 22 Boeing 737-100, die sie offiziell „CityJet“ nannte. Am 9. April 1967 startete in Seattle die 737 zum Erstflug. Noch vor Jahresende übernahm Lufthansa ihr erstes Flugzeug, die D-ABEC, eine „Namensvetterin“ der heutigen 737-300 „Echo Charlie“ in Hamburg. Mit nur noch zwei Piloten und ohne Bordingenieur hat die 737 ein Besatzungsmitglied weniger im engen Cockpit als ihre fast gleichalte Schwester, die 727. Bei Lufthansa wird die 737 zum Erfolgsmodell. 146 Flugzeuge sind im Lauf der Jahrzehnte hier im Einsatz. Nach der 737-100 folgt bald die um zwei Meter gestreckte Version 200 als „Quick Change“-Kombi mit seitlicher Frachttür und später als „Advanced“ mit sparsameren JT8D-Triebwerken von Pratt & Whitney. Danach werden auch die 737- 300, -400 und die kurze -500 beschafft. Aus dieser Generation, ausgerüstet mit bulligen CFM-56-Triebwerken, stammen auch die jetzt ausgemusterten Flugzeuge. Wie alt die „Karlsruhe“ schon ist, sieht man dem im Juli 1991 gelieferten Zweistrahler nicht an. Die Kabine geht innen fast noch als „ladenneu“ durch: neueste Recaro-Sitze, völlig unzerkratzte Kabinenverkleidungen und ein properes Ambiente. Nur die großen Drucktasten zum Rufen der Stewardess und die kleineren Gepäck fächer deuten auf ein Design aus früheren Jahren hin. Sie ist die letzte ihrer 737, die Lufthansa nun verabschiedet hat. Auch im Cockpit, mittlerweile mit verschlossenen „Augenbrauen“-Oberlichtfenstern, hatte Lufthansa ihre 737 immer auf dem Stand der Technik gehalten: Electronic Flight Bags zeigen die Anflugkarten papierlos und berechnen die Startstrecken. Ein Bodenkollisionsschutz-System (EGPWS) – das die 737 übrigens schon vor der A320- Flotte erhielt – warnt das Flugzeug vor unerwarteten Hindernissen; Schlechtwetteranflüge unter CAT-IIIa-Bedingungen (bis zu 200 Meter Sicht und 50 Fuß Entscheidungshöhe) sind dank entsprechender Ausstattung möglich. Mit dem System RAAS wird die Crew beim Start vor dem eventuellen Aufrollen auf die falsche Piste gewarnt. „Es ist eng, aber wenn man drinsitzt, ist es okay“, sagt Kapitän Frischkorn über das Cockpit. „Das Reinkommen hält jung. Aerodynamisch bedingt ist es laut Erfolgsmodell Boeing 737 Mit 13 568 festen Bestellungen, von denen aktuell 9247 ausgeliefert sind, ist die Boeing 737 das Brot-und-Butter-Modell des amerikanischen Herstellers und der meistgebaute Passagierjet. Die zweistrahlige 737 rundete einst das Boeing-Angebot nach unten ab und war, dank ihres aufwendigen Klappensystems, auch auf kurzen Pisten einsetzbar. Die niedrige Höhe des Frachtraums macht sogar eine manuelle Beladung direkt vom Vorfeld aus und die Nutzung eingebauter Bordtreppen möglich. Immer neue 737-Generationen, darunter nach der Premierengeneration „Jurassic“ (inoffiziell), „Classic“, „Next Generation“ (NG) und schließlich die „MAX“, halten das Erfolgsmodell mit zeitgemäßen Triebwerken konkurrenzfähig. Schon seit der NG schafft das einstige Kurzstreckenmodell dank eines neuen, größeren Flügels US-transkontinentale Reichweite. Wegen des anhaltenden Erfolgs steigert Boeing die 737-Produktionsrate in Renton bis 2018 auf 52 Flugzeuge im Monat. Noch mit Logo-Banderole auf dem Leitwerk baute Boeing die erste LH-737. Das blaue Fensterband verlieh „Bobby“ optisch mehr Länge. Dank ihrer kurzen Spannweite passte die 737 („Schweinchen“) mühelos in die Frankfurter „Schweinebucht“, also an die engsten Gatepositionen. Die erste LH-Flugkapitänin, Nicola Lisy, flog 2000 im Cockpit einer Boeing 737. Fotos: FR-Archiv (5), Steinke (3) 26 FLUG REVUE Januar 2017 www.flugrevue.de

Werksfoto einer fabrikneuen Boeing 737-300 vor der Übergabe an Lufthansa. Die Niete zeugen von Strukturarbeiten im Laufe eines langen Flugzeuglebens. Feierabend in Frankfurt voller wehmütiger Abschiedsstimmung. Flugbegleiterinnen zeigen sich Fotos aus frühen 737-Jahren mit einer First Class. Boeing-737-Versionen bei Lufthansa Quelle: Lufthansa Boeing 737-100 Boeing 737-200QC Boeing 737-200 Adv. Boeing 737-300 Boeing 737-400 Boeing 737-500 Spannweite 28,4 m 28,4 m 28,4 m 28,9 m 28,9 m 28,9 m Länge 28,7 m 30,5 m 30,5 m 33,4 m 36,4 m 31 m Höhe 11,3 m 11,3 m 11,3 m 11,1 m 11,1 m 11,1 m Kabinenbreite 3,5 m 3,5 m 3,5 m 3,5 m 3,5 m 3,5 m Bestuhlung 8 F/82 Y 8 F/95 Y 8 F/101 Y 8 F/102 Y 128 8 F/88 Y/C max. Startmasse 44 200 kg 50 200 kg 47 900 kg 56 465 kg 61 610 kg 52 400 kg Reisegeschwindigkeit 830 km/h 830 km/h 780 km/h 795 km/h 795 km/h 795 km/h Triebwerke P&W JT8D P&W JT8D P&W JT8D CFM56 CFM56 CFM56 Verbrauch 2600 l/h 3000 l/h 2900 l/h 2700 l/h 3250 l/h 2500 l/h Anzahl 22 6 38 45 7 30 Einsatz 1968 – 1981 1970 – 1993 1981 – 1997 1986 – 2016 1992 – 1997 1991 – 2016 www.flugrevue.de FLUG REVUE Januar 2017 27

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