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FLUG REVUE 01/2017

Zivilluftfahrt Afrikas

Zivilluftfahrt Afrikas größte Niedrigpreis-Airline Afrika zum halben Preis Mit kleinem Budget Aufsehen erregen – das gehört zum Geschäftsprinzip aller Niedrigpreis-Airlines. Der Meister dieses Fachs ist in Afrika beheimatet, es ist die über Südafrika hinaus bisher kaum bekannte Fluggesellschaft kulula. Das Zulu-Wort kulula bedeutet „leicht“, ist sprachlich also angelehnt an easyJet. Gegründet wurde die Airline 2001 als Tochter der börsennotierten Comair. Sie war die erste und ist heute – mit bald zwölf Boeing 737 – die größte Billigfluggesellschaft des afrikanischen Kontinents. „Die größten Low-Cost-Märkte Afrikas sind Südafrika und Nigeria – hier vor allem bei den Inlandsflügen – sowie Kenia“, sagt Shaun Pozyn, Marketingchef von Comair/kulula im Interview mit der FLUG REVUE in Johannesburg. „Grenzüberschreitend gibt es zu viel Bürokratie und Protektionismus.“ Daher 30 FLUG REVUE Januar 2017 fliegt kulula ausschließlich innerhalb Südafrikas, während panafrikanische Gesellschaften wie Fastjet zu kämpfen haben. „In Afrika wächst die Mittelklasse nur sehr, sehr langsam“, klagt Eric Venter, CEO von Comair und Mitgründer von kulula. Selbst in Südafrika, der größten Wirtschaftsmacht des Kontinents mit 54 Millionen Einwohnern, kann sich ein großer Teil der Bevölkerung Flugreisen gar nicht leisten. „Gerade mal fünf bis acht Prozent der Menschen fliegen“, berichtet Shaun Pozyn. „Und eine Familie würde eher mit dem Auto von Johannesburg nach Durban fahren, weil sie dort eben auch mobil sein muss, da es keinen verlässlichen öffentlichen Nahverkehr gibt.“ Südafrikas Inlandsmarkt beschränkt sich auf wenige lukrative Routen, allen voran die Rennstrecke zwischen Johannesburg und Kapstadt, ein Zwei-Stun- kulula Als Tochter der südafrikanischen Comair Limited aus Johannesburg fliegt kulula unter deren Airline-Code MN (IATA) bzw. CAW (ICAO). Die jüngsten Leasingflugzeuge tragen die neuesten „Split Scimitar Winglets“ von Aviation Partners Boeing und eine rein grüne Lackierung. www.flugrevue.de

Mit einzigartigen Lackierungen und günstigen Preisen will kulula Afrikas Einwohner für den Flugverkehr begeistern. Schon jetzt ist sie die größte Low-Cost-Airline des Kontinents. Während der obere Jet Bauteile erläutert, orientiert sich die unten abgebildete737 an der Beschriftung von Umzugskisten. den-Flug. kulula bedient die Route bis zu 4-mal wöchentlich je Richtung, während ihre Mutter Comair hier sogar bis zu 76 Starts je Richtung anbietet. An zweiter Stelle folgt die Route Johannesburg – Durban, dann Kapstadt – Durban. Von den 411 Flügen, die die Fluggesellschaft pro Woche anbietet, finden bis zu 60 Prozent in diesem „goldenen Dreieck“ statt. Zusammen mit Comair/ BA kommt sie auf rund 35 Prozent Marktanteil im Inland, wobei 20 Prozent auf kulula selbst entfallen. Die finanziell angeschlagene Staatslinie South African Airways (SAA) und deren Billigtochter Mango, die zehn Boeing 737 betreibt, erreichen gemeinsam rund 56 Prozent. EXTRAS WERDEN GEGEN AUFPREIS VERKAUFT „Seit Südafrika Anfang der 1990er Jahre dereguliert wurde, sind etwa elf Airlines gekommen und wieder verschwunden“, sagt Shaun Pozyn. Seit 2014 versucht sich als dritte Kraft der ebenfalls private Billigflieger FlySafair mit sieben Boeing 737. „In Südafrika ist der Low-Cost- Markt von Hybridangeboten geprägt. Man kauft nicht nur den simplen Sitz wie bei Ryanair, sondern es gibt flexible Tickets sowie Sitze mit mehr Beinfreiheit, Sitzplatzwahl oder Übergepäck gegen Aufpreis, außerdem Verpflegung. Wir haben sogar unsere eigene Cateringfirma“, erläutert Pozyn. Seit 2011 wurde die Flotte aus derzeit neun Boeing 737- 800 und einer 737-400 einer Kabinenerneuerung unterzogen, mit neuen Sitzen und einem firmeneigenen Teppichmuster. Zwei fabrikneue Boeing 737- 800 aus einer Comair-Bestellung sind für die kulula-Flotte vorgesehen. kulula arbeitet rund 25 bis 30 Prozent günstiger als Comair/BA, das liegt vor allem an der engeren Bestuhlung. Während eine Boeing 737-800 bei der Mutter 174 Passagiere befördert, finden im selben Flugzeugtyp bei kulula 186 Fluggäste Platz. Der Standardabstand beträgt hier 29 bis 30 Zoll (ca. 73 bis 76 cm), in der sogenannten Stretch-Zone gibt es sogar knapp 84 Zentimeter Fußraum. Die Flugpreise sind dafür günstig: Von Johannesburg nach Kapstadt kostet der Flug ab umgerechnet 57 Euro, und dabei ist schon ein Koffer inklusive. Comair verlangt mit mindestens 105 Euro fast das Doppelte. „Wir haben insge- Fotos: Brian Spurr/AirTeamImages, HAM Five/AirTeamImages, Spaeth, kulula FLUG REVUE Januar 2017 31

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