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FLUG REVUE 01/2017

Zivilluftfahrt Erstflug

Zivilluftfahrt Erstflug der A350-1000 Mit einer sanften Landung endete der erste Flug einer A350-1000. Der ausfahrbare Schleppkegel misst den ungestörten Druck. Die Hauptfahrwerke der A350-1000 haben jeweils sechs Räder. Beim Erstflug trägt die Crew feuerfeste Overalls. Techniker bringen Helme und Fallschirme von Bord. Empfang nach der Landung durch Fabrice Brégier. 38 FLUG REVUE Januar 2017

Fotos: Airbus, Steinke (6) bis zwei Monaten ist das Kritischste.“ Bei diesen Hochgeschwindigkeitstests erfliegt die A350 im Sturzflug ihre absolute Maximalgeschwindigkeit, direkt an der Bruchgrenze. Danach muss das Flugzeug erst mal zur Strukturinspektion. „Wir machen das schrittweise bei vier bis sechs Flügen. Wir sind keine Cowboys. Wir gehen so langsam vor, dass bei den schwierigen Themen eigentlich nichts Unerwartetes mehr passiert“, sagt du Ché. „Überraschungen kommen dann eher aus den Bereichen, aus denen man sie nicht mehr erwartet hat, das lehrt jedenfalls die Erfahrung.“ BODENSTATIONEN AUCH IN BREMEN UND HAMBURG Damit während der Testflüge schon kleinste Abweichungen sofort bemerkt werden, misst MSN059 ständig 600 000 Flugdaten, die an 3300 Messpunkten, zu denen 120 Kilometer Kabel an Bord verlegt wurden, gewonnen werden. Bis zu 15 Videokameras zeigen auch den Telemetrieräumen in Toulouse, Bremen, Hamburg und Filton in Echtzeit die Lage an Bord. Durchschnittlich 100 Mbit Daten pro Sekunde überträgt das Testflugzeug an den Boden. Bis zu drei Flugtestingenieure und höchstens zwei Triebwerksspezialisten sind in der Kabine. Sie können hier alle Cockpitanzeigen, Systemdaten und Aufzeichnungen abrufen. Auf Knopfdruck können außerdem 60 jeweils vorbereitete Testszenarien ausgelöst werden. Dabei greifen die Ingenieure tief in die Bordcomputer des Flugzeugs ein, etwa um gezielt Schwingungen einzuleiten, welche die Flugzeugstruktur anschließend dämpfen muss. Hinter der Ingenieurstation befinden sich die typischen Ballasttank-Fässer mit zehn Tonnen Wasser-Glykol-Gemisch. Durch Umpumpen kann man die Schwerpunktlage in nur vier Minuten um bis zu zehn Prozent verändern, was sich direkt auf die Flugeigenschaften auswirkt. Ganz hinten, im Heck der kargen, unverkleideten Kabine lassen sich bei Bedarf auch noch 51 Passagiersitze einbauen. Hier können Techniker mitfliegen, wenn der Prototyp auf entlegenen Außenstationen betreut werden soll. Nach vier Stunden und 18 Minuten schwebt die A350-1000 wieder in Toulouse ein und landet sanft. „Wir haben alle Ziele erreicht. Das wird ein großartiges Flugzeug!“, sagt Testpilot Hugues van der Stichel direkt nach dem Flug. Airbus-Chef Fabrice Brégier klingt kämpferischer: „Die A350-1000 hat die Boeing 777-300ER gekillt. Boeing musste die 777-9 starten, schon lange vor unserem Erstflug. Mehr Sitze hat die 777-9 nur, damit sie bei den Kosten pro Sitz wettbewerbsfähig ist, nicht weil der Markt diese Sitze nachfragt. Was wir wollten, haben wir erreicht.“ In der zweiten Jahreshälfte 2017 soll Qatar Airways die erste A350-1000 übernehmen. Sie ist der größte Kunde mit Bestellungen für 37 Flugzeuge. Airbus hat bisher 195 A350-1000 an elf Kunden verkauft. FR Airbus A350-1000 Zweistrahliges Langstrecken-Verkehrsflugzeug für 366 Passagiere bei Dreiklassenbestuhlung oder maximal 440 • Länge: 73,78 m, Höhe: 17,08 m, Spannweite: 64,75 m • Rumpfverlängerung: 6 Spante vorne, 5 Spante hinten; Hauptfahrwerk mit je sechs Rädern, vertiefte Flügelhinterkante, verstärkte Struktur • Triebwerke Rolls-Royce Trent XWB- 97; höherer Luftdurchsatz, adaptives Kühlsystem für die Startphase • Leermasse: 220 t, max. Startmasse: 308 t, Reichweite: 14 800 km • Listenpreis: 355,7 Mio. Dollar Testflugzeug MSN059 Schwere Testausrüstung. Testumfang: 600 Flugstunden. Erstflug, Erschließung des Flugbereichs, Festlegung der Konfiguration, Systemtests, Triebwerkstests, Modifikationstests nach der Zulassung Testflugzeug MSN071 Schwere Testausrüstung. Testumfang: 500 Flugstunden. Leistungstests, Systemtests, Triebwerkstests, Kältetests, Höhentests, Hitzetests Testflugzeug MSN065 Leichte Testausrüstung. Testumfang: 500 Flugstunden. Kabinenentwick lung und Zulassung, ETOPS-Zulassung, Streckenflugerprobung, Lärmtests Im Netz http://www.a350xwb.com Messstreifen auf der Außenhaut melden Daten an die Bordcomputer. www.flugrevue.de FLUG REVUE Januar 2017 39

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