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FLUG REVUE 02/2015

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- Neue Eurowings: Lufthansa plant Billig-Langstrecken - Rosetta: Alle Details zur sensationellen Kometen-Landung - F-35 an Deck: Erste Trägertests auf der Nimitz

Take-Off

Take-Off Luftfracht-Drehkreuz Leipzig/Halle ALLES IM BLICK M aximal sieben Minuten braucht eine Expressfrachtsendung in Leipzig/Halle vom Scanner am Eingang des 413 Meter langen und 300 Millionen Euro teuren DHL- „Warehouse“ bis zum Ausgangsschalter, wo sie in den Luftfrachtcontainer für ihren Zielort verladen werden kann. In dieser Zeit reist die Fracht auf langen Förderbändern zunächst unter die Decke der 48 000 Quadratmeter großen Halle und wird dann in ein 6,5 Kilometer langes Gewirr von Transportbändern in mehreren Etagen eingespeist. 60000 Pakete und 36 000 Dokumente pro Stunde schafft die Anlage. Immer wieder lenken computergesteuerte Weichen das Ladegut auf „Nebengleise“ und bringen es mit einer gleichmäßigen Geschwindigkeit von 9 km/h zu seinem Abfluggate. In diesem gigantischen Ameisenhaufen werden die Sendungen, anders als manches Passagiergepäck, auffallend schonend behandelt. Nichts plumpst, fällt oder kullert. Eine Mischung aus Schwerkraft und Wetterfronten, Sturmtiefs und Gewitter werden in der Einsatzzentrale ständig beobachtet, damit rechtzeitig Ausweichrouten gefunden werden können. Frachtdrehkreuz Leipzig/Halle Mit 887 191 Tonnen Luftfracht hatte Leipzig 2013 zum neunten Mal in Folge einen Luftfrachtrekord aufgestellt. Für 2014 werden sogar über 900 000 Tonnen Fracht erwartet. Alleine im Monat November lag das Frachtwachstum bei 7,2 Prozent. Als deutsche Nummer zwei im Luftfrachtgeschäft bereitet sich Leipzig/Halle mit dem Ausbau des von der DHL Hub Leipzig GmbH (Expressgutumschlag) und der European perfekt platzierten Leitblechen lenkt jede Sendung sanft an ihr Ziel. Im westlichen Teil der Halle befinden sich die Schalter der europäischen Zielorte von Amsterdam bis Warschau, im östlichen die globalen Ziele von Cincinnati bis Hongkong. Rund 60 Frachtflugzeuge, von der zweimotorigen Antonow An-32 über Boeing 757SF, 767F, Airbus A300- 600 bis zur Boeing 777F und 747SF, treffen hier an jedem Werktag beziehungsweise in jeder „Werknacht“ ein. Nur rund zwei Stunden ist das Ladegut am Boden und wird zwischen 260 Beund Entladeplätzen sortiert – 1900 Tonnen pro Nacht. Danach geht es bereits per Anschlussflug weiter. Expressfracht ist ein reines Nachtgeschäft, denn erst am Ende eines Werktags versenden die Kunden ihre Fracht, und möglichst schon am nächsten Morgen soll die Sendung am Ziel sein. Nur dafür bezahlt der Kunde gut. Dank seiner zentralen Lage mit mehreren Autobahnanschlüssen, viel Platz, einer optimal ausgebauten Infrastruktur und einer 24-Stunden-Betriebsgenehmigung für Fracht mischt Leipzig in diesem anspruchsvollen Geschäft erfolgreich mit und ist bereits zu Deutschlands Air Transport Leipzig GmbH (Flugbetrieb und Wartung der DHL-Flotte) betriebenen Expressfracht-Drehkreuzes auf weiteres Wachstum vor. Auch im Schwerlastverkehr ist Leipzig/Halle erfolgreich: Die Volga-Dnepr Technics GmbH unterhält am Flughafen seit 2013 sogar eine eigene Wartungsbasis für ihre Großtransporter Iljuschin Il-76 und Antonow An-124, die häufig für die NATO fliegen. 20 FLUG REVUE FEBRUAR 2015 www.flugrevue.de

Die meisten Expressfrachter starten nachts und werden tagsüber gewartet. Beschädigte Sendungen werden neu verpackt und sogleich wieder in den Kreislauf eingespeist. Ein in Dresden umgebauter A300-600-Frachter wird beladen. Die Förderbänder laufen mit bis zu 9 km/h und schaffen Pakete bis 32 kg. zweitgrößtem Frachtflughafen herangewachsen. Etwa zwei Drittel der Sendungen sind gewerblich, darunter dringende Ersatzteile, Materialproben, Maschinenteile und Computerplatinen. Keineswegs werden hier nur leichte Dokumente in Polsterumschlägen oder etwa DVDs versandt. Die erste Frage beim Ausladen am „LEJ Hub“, so das interne Kürzel des Luftfrachtzentrums, lautet deshalb „conveyable“ oder „non-conveyable“, förderbandtauglich oder nicht? Nur die leichttesten Umschläge reisen über die Bänder eines 2,5 Kilometer langen „Dokumentensorters“. Reguläre Päckchen und Pakete werden über die normale Maschinerie per Band im Standardverfahren abgefertigt. Was aber zu groß und zu schwer ist, etwa ein komplettes Oldtimerfahrzeug oder eine schwere Maschine, bleibt gleich auf der Vorfeldebene und wird mit den passenden Spezialfahrzeugen bewegt. Auch Gefahrgut wird getrennt von der übrigen Fracht umgeschlagen. Ein sogenannter „Bunker“ mit dicken Betonwänden und einer besonders aufwändigen Überwachungs- und Brandschutzanlage dient als geschützter Lagerraum. Hier landen auch eilige radioaktive Sendungen, etwa Medikamente für Bestrahlungen mit geringer Halbwertzeit. Sie müssen unverzüglich zu den Arztpraxen ihrer Zielorte und zu den Patienten gelangen, bevor die kurzzeitige Wirkung nachlässt. Ein ganzes Heer von fleißigen Arbeitern füttert und entlädt die riesige Förderbandanlage. Alle Luftfrachtcontainer werden per Menschenhand beladen. Nur durch gekonntes Stapeln kann man den kostbaren Raum optimal ausnutzen, eine körperlich schwere Arbeit. Ständiges Scannen der Sendungen, sogar mit Fingerscannern an den Händen der Verlader, gibt dem Computer Auskunft über den Fortgang der Sortierarbeiten. Er achtet auch auf die zulässige Frachtmasse pro Flugzeug und auf die richtige Ladereihenfolge und Schwerpunktverteilung an Bord, die am Ende noch einmal von Lademeistern geprüft und freigegeben wird. Bis zur letzten Minute füllen sich die Ausgabeschächte. Eine Countdown- Uhr zeigt die verbleibende Zeit bis zum Abflug. 3800 Arbeiter und Angestellte sind hier jede Nacht im Einsatz. Nur am Sonnabend ist es etwas ruhiger, weil am Sonntagmorgen nur wenige Sendungen zugestellt werden. Gerade werden in Leipzig 400 zusätzliche Stellen besetzt. Das Spektrum der angebotenen Ausbildungen reicht von Luftverkehrskaufleuten, Fachlageristen, Kaufleuten für Spedition und Logistikdienstleistung, Fachinformatikern, Mechatronikern, Kauf- Fotos: DHL, Roland Oster www.flugrevue.de FLUG REVUE FEBRUAR 2015 21

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