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FLUG REVUE 02/2015

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- Neue Eurowings: Lufthansa plant Billig-Langstrecken - Rosetta: Alle Details zur sensationellen Kometen-Landung - F-35 an Deck: Erste Trägertests auf der Nimitz

Raumfahrt Staubsauger

Raumfahrt Staubsauger auf dem Asteroiden Wanderfalke Am 3. Dezember 2014 startete die japanische Raumfahrtbehörde JAXA bereits ihre zweite Kometensonde Hayabusa. Mit an Bord: ein kleiner deutscher Hüpfer. Fotos: JAXA, DLR D ieses Mal soll alles besser klappen als beim ersten Versuch. Immerhin kann man wohl davon ausgehen, dass der zweite Falke nicht ebenfalls einem gewaltigen Teilchenschauer von der Sonne ausgesetzt sein wird und damit einen störungsfreien Flug zum Ziel, dem Asteroiden 1999 JU3 vor sich hat. Vier Jahre lang soll die Reise dauern, und bis dahin werden sich die Japaner wohl auch einen griffigeren Namen für den Felsbrocken ausgedacht haben. Als erste Besucher steht ihnen das auch zu. Dieses Mal wird auch ein Landekörper an Bord sein, der bei Hayabusa 1 zwar geplant war, von der NASA aber aus finanziellen Gründen zurückgezogen wurde – eine bittere Enttäuschung für Hayabusa... die japanischen Wissenschaftler. Jetzt sind Spezialisten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt eingesprungen und haben den rund zehn Kilo schweren Hüpfroboter MASCOT entwickelt und gebaut (Mobile Asteroid Surface Scout). Die Raumsonde soll nach der Ankunft am Zielobjekt zuerst dessen Oberfläche genauestens vermessen und anschließend aus etwa 100 Metern Höhe über der Oberfläche MASCOT abwerfen. Dank der geringen Schwerkraft wird der etwa schuhkartongroße Lander (30 x 30 x 20 Zentimeter) langsam herabsinken und sich während des Abstiegs dank eines Sensorsystems im Raum orientieren. Auf dem Asteroiden angelangt, ...heißt auf Deutsch Wanderfalke, und die Vorgängerin der jetzigen Sonde erreichte einige Berühmtheit: Kurz nach dem Start im Mai 2003 überstand sie nur knapp einen schweren Solarsturm, kämpfte sich dennoch bis zum Ziel, dem Asteroiden Itokawa, durch, sammelte dort ein paar Proben und warf im Juni 2010 über Australien eine Rückkehrkapsel ab. Das Schicksal dieses ersten „Wanderfalken“ bewegte Menschen in aller Welt. 80 FLUG REVUE FEBRUAR 2015 www.flugrevue.de

Dicht über der Oberfläche schwebend soll die Sonde Gesteinsproben sammeln. führt er mittels seiner vier Bordinstrumente genaue Untersuchungen durch: ■ ein französisches Infrarot-Spektrometer zur Untersuchung der Beschaffenheit der Asteroidenoberfläche, ■ ein Magnetometer zur Vermessung eines eventuell vorhandenen Magnetfeldes (TU Braunschweig), ■ eine Weitwinkelkamera (DLR) und ■ ein Radiometer zur Ermittlung der Oberflächentemperatur (DLR). Gleichzeitig ist der Apparat mit einem Mechanismus ausgestattet, der es ihm ermöglicht, etwa zehn bis 70 Meter weite Sprünge zu absolvieren, um die Messungen an mehreren verschiedenen Plätzen vornehmen zu können. Die Lithium-Ionen-Batterie liefert für diese Untersuchungen 16 Stunden lang Strom, was rund zwei Asteroidentagen und -nächten entspricht. Die Ergebnisse werden an das DLR-Kontrollzentrum in Köln-Porz gesendet. AUCH JAPAN SCHICKT ZWEI HÜPFER MIT Hayabusa 2 hat zudem zwei MINERVAs an Bord (Micro/Nano Experimental Robot Vehicle for Asteroid), ebenfalls winzige Hüpfer japanischer Entwicklung. Jeweils drei Kameras und sechs Temperaturfühler sollen Details von der Oberfläche übermitteln. Die Energieversorgung wird dabei mittels Solarzellen sichergestellt, welche auf der Oberfläche der Würfel angebracht wurden. Schon Hayabusa 1 hatte einen MINERVA an Bord, doch wurde dieser wegen eines Softwarefehlers erst ausgeklinkt, als sich die Sonde wieder von der Itokawa-Oberfläche entfernte. Seitdem gilt der Hightech-Würfel als im All verschollen. Der zweite Falke wird sich während der Arbeit seiner Landekörper langsam dicht an die Oberfläche annähern und dort Hartmetall-Projektile abfeuern. Diese sollen Staub und Gesteinssplitter ablösen, die dann mit einer Art Saugrüssel aufgefangen und an Bord genommen werden. Untergebracht werden sie hier in einer Landekapsel die – hoffentlich – Ende 2020 auf der Erde niedergehen wird. Man geht davon aus, dass der Asteroid aus Gestein besteht, das sich seit der Entstehung unseres Sonnensystems nur wenig verändert hat, andererseits aber eventuell mit Wasser in Berührung gekommen ist. Bis dahin heißt es erst einmal Warten, doch die Wissenschaftler haben sich einen netten Zeitvertreib ausgedacht: Als Sekundärnutzlast brachten sie nämlich gemeinsam mit Hayabusa einen Kleinsatelliten ins All. Er heißt PROCY- ON, ist 63 x 55 x 550 mm groß, wiegt 65 kg und soll den Nachweis erbringen, dass die Erforschung des tiefen Weltraums auch mit solchen kleinen Flugkörpern möglich ist. PROCYON meldete am 3. Dezember 2014, dass er genau auf der vorgesehenen Orbitposition ausgesetzt worden ist und nun mit der eigenständigen Arbeit beginnt. FR MATTHIAS GRÜNDER MASCOT wurde unter der Federführung von Spezialisten des DLR entwickelt und gebaut. Ein Schwungarm im Innern lässt den Lander hüpfen und dabei Entfernungen von bis zu 70 m zurücklegen. www.flugrevue.de FLUG REVUE FEBRUAR 2015 81

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