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FLUG REVUE 02/2016

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Militärluftfahrt

Militärluftfahrt Verlegung nach Incirlik Für die Aufklärungsflüge werden Flugzeuge aus Jagel und Büchel genutzt. Lange Zeit hatte die Bundesregierung den Einsatz von Tornados für den Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ weit von sich gewiesen – die Anti-IS-Militärallianz habe keinen Mangel an Flugzeugen, hieß es zum Beispiel im August aus dem Auswärtigen Amt. Als nach den Anschlägen von Paris Frankreichs Präsident Hollande bei Kanzlerin Angela Merkel mehr Unterstützung anmahnte, sah die Sache plötzlich anders aus. In aller Eile beschloss der Bundestag am 4. Dezember eine deutsche Beteiligung an den Einsätzen gegen den IS. Am 10. Dezember hoben dann in Schleswig-Jagel zwei Jets des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Immelmann“ (TaktLwG 51 „I“) ab, um in Begleitung einer A310 MRTT der Flugbereitschaft zur türkischen NATO-Basis Incirlik zu verlegen. Ein 40 Köpfe starkes Vorkommando war bereits eine Stunde zuvor mit einem Airbus A400M Richtung Incirlik aufgebrochen, um dort alles für das Hauptkontingent vorzubereiten. Bis die notwendigen Abstimmungen zur Integration der Tornados in den Betrieb in Incirlik erfolgt und alle notwendige Ausrüstung verfrachtet ist, dauert es jedoch noch. Mitte Januar werde man mit den ersten Aufklärungsflügen beginnen, so Brigadegeneral Andreas Schick, der Kommandeur des Vorauskommandos. Bis zu sechs Tornados – nach der Planung vier aus Jagel und zwei vom TaktLwG 33 in Büchel – sollen rein in der Deutsche Jets im Syrien-Einsatz Mit sechs Tornados und einem A310-Tanker beteiligt sich die Luftwaffe am internationalen Kampf gegen die Terrormiliz IS. Aufklärungsrolle den Anti-Terror-Kampf unterstützen. Die A310 MRTT versorgt ebenfalls von Incirlik aus die Flugzeuge der Alliierten in der Luft mit Treibstoff. Sie flog ihren ersten, rund fünfstündigen Oberst Michael Krah Kommodore des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 „Wir sind sehr gut vorbereitet durch die Erfahrungen auf dem Balkan und in Afghanistan.“ Einsatz in der Nacht vom 15. auf den 16. Dezember. Dabei hingen zwei Mal Fighter an den Tankschläuchen. Deren Nationalität wollte das Einsatzführungskommando allerdings nicht nennen. „Unsere Jets sind eine wichtige Ergänzung für die Kräfte der Koalition – Aufklärung kann man nie genug haben“, so das Credo von Oberst Michael Krah, Kommodore des TaktLwG 51 „I“. Er war als Waffensystemoffizier im ersten Tornado gestartet und wird die Kräfte seines Verbandes die ersten vier Monate des bisher auf ein Jahr mandatierten Einsatzes führen. „Und wir sind sehr gut vorbereitet durch die Erfahrungen auf dem Balkan und in Afghanistan.“ Insgesamt werden bis zu 250 Soldatinnen und Soldaten den deutschen Anteil des Flugbetriebs auf der türkischen Basis sicherstellen. Sechs bis acht Tornado-Besatzungen und zwei Crews für den 50 FLUG REVUE Februar 2016 www.flugrevue.de

Tanker bilden die fliegerische Komponente, dazu kommen die Techniker und das Spezialpersonal für die Auswertestation der Bilder, die die Jets auf ihren Flügen über Syrien aufnehmen werden. Die Aufnahmen erfolgen aus mittlerer Höhe, um sich nicht der Gefahr eines Abschusses durch Maschinengewehre oder tragbare Flugabwehrraketen auszusetzen. Dafür ist auch der mit einer digitalen Zeiss-Kamera von 42 bis 500 Millimeter Brennweite bestückte RecceLite-Behälter optimiert. Damit lassen sich laut Hersteller beispielsweise Panzertypen noch aus 3000 Metern Höhe und zehn Kilometer Entfernung identifizieren. Weiterhin ist ein Infrarotsensor eingerüstet, der Wärmestrahlung aufzeichnet und somit auch Aufklärung bei Nacht und schlechter Sicht ermöglicht. Der RecceLite kann über eine eigene Antenne die Bilder in Echtzeit an die Auswertestation übermitteln, sofern die Distanz nicht zu groß ist. Dort begutachten die Luftbildauswerter die Aufnahmen und fertigen Ergebnisberichte an. Fotos und Auswerteberichte gehen ans Hauptquartier der Anti-Terror-Allianz in Al Udeid in Katar, von wo aus auch die Einsatzaufträge erteilt werden. „Dort ist ein deutscher Oberst für die Planung zuständig und achtet darauf, dass die Aufträge immer von unserem Mandat gedeckt sind. Nur die Mitglieder der Koalition, die dort vertreten sind, haben Zugriff auf das Material“, erklärte Krah. Ein zweiter Luftwaffenoffizier koordiniert von Al Udeid aus die Tankereinsätze. Genutzt werden kann der RecceLite- Pod nur von Tornados, die das Update- Ein A310-MRTT-Tanker (hier mit Eurofightern der Luftwaffe) wird von Incirlik aus für die Unterstützung der Kampfjets der Anti-Terror-Koalition verwendet. Programm ASSTA 3 durchlaufen haben. Zehn der zwei Dutzend Maschinen des TaktLwG 51 „I“ sind bereits modernisiert, zwei weitere Jets in Jagel sind sogar schon auf dem Standard ASSTA 3.1, auf den im Laufe der nächsten Jahre alle 85 im Bestand der Luftwaffe verbleibenden Tornados umgerüstet werden. Doch diverse Probleme drücken die Anzahl der verfügbaren Jets: Nach einem Bericht des Verteidigungsministeriums standen in den vergangenen zwölf Monaten von noch 93 vorhandenen Tornados nur 66 der Truppe zur Verfügung. Davon waren im Schnitt 29 einsatzbereit. Als Gründe wurden neben der Umrüstung die mangelnde Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die Umstellung der Logistik-Software genannt. Die Tornado-Crews gehen dennoch selbstbewusst in den Einsatz. Sie vertrauen auf ihre Ausbildung, ihre Ausrüstung und ihr Flugzeug. Neben dem RecceLite-Pod zur Selbstverteidigung trägt es zwei IRIS-T-Luftkampfraketen, einen TSPJ-(Tornado Self Protection Jammer-) Behälter zur elektronischen Kampfführung sowie einen BOZ-101-Chaff-/Flare- Dispenser, aus dem Radar-Täuschkörper und Hitzefackeln zur Ablenkung von Raketen abgeworfen werden können. „Natürlich gibt es dennoch ein Risiko“, sagt Oberstleutnant Alexander S., Kommandeur der Fliegenden Gruppe im TaktLwG 51 „I“. „Die Risikoabwägung entspricht etwa der des Einsatzes in Afghanistan.“ Auch dort und über dem Balkan hätte man dem Feind nicht in die Hände fallen wollen. Er vertraut jedoch auf die CSAR-(Combat Search and Rescue-)Komponente der Alliierten: „Es gibt eine sehr gute Rettungskette, deren Einsatzmittel bei einer Notsituation rasch zur Stelle sind und eine Crew herausholen können.“ FR STEFAN PETERSEN / KS Der RecceLite-Behälter ist 2,20 Meter lang und 200 Kilogramm schwer. Vorn im drehbaren Sensorkopf sind die Digitalkamera (Zoom bis 500 Millimeter) und der Infrarotsensor eingebaut. Im restlichen Gehäuse sind Elektronik und Kühlung verbaut. Unten sieht man die Antenne für den Breitband-Datenlink. Das digitale Bildmaterial wird in einer Auswertestation aufbereitet und von Spezialisten bewertet, bevor es an die Einsatzführung in Al Udeid weitergereicht wird. Fotos: Stefan Petersen www.flugrevue.de FLUG REVUE Februar 2016 51

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