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FLUG REVUE 03/2016

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Take-Off Air Policing

Take-Off Air Policing Baltikum 17LÄNDER MIT DABEI Nach der Annexion der Krim verstärkte die NATO ihre Präsenz. In Šiauliai flogen zum Beispiel vier Monate lang F-16A aus Portugal und kanadische CF-18 (hinten) Etwa 160-mal stiegen im vergangenen Jahr Kampfflugzeuge der NATO von ihren Basen im Baltikum auf, um russische Flugzeuge zu identifizieren, die sich bei ihren Flügen an der Grenze der Allianz nicht vorschriftsgemäß identifiziert hatten. „Das ist eine Steigerung von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr“, rechnete das Verteidigungsministerium in Litauen vor. 2014 hatte man 140 Alarmstarts gezählt, nach nur 47 im Jahr 2013. Über jeden Fall wird in Vilnius penibel Buch geführt: Am 25. Dezember wurde zum Beispiel eine Tu-134 kontrolliert, die zwar ihren Flugplan einhielt und im Funkkontakt stand, aber ihren Transponder abgeschaltet hatte. Gleiches galt für eine IL-20 (Elektronikaufklärer) am 22. Dezember. Überhaupt scheint die IL-20 im Dezember mit insgesamt vier kontrollierten Flügen sehr aktiv gewesen zu sein. Während sich die vorgenannten russischen Luftfahrzeuge im internationalen Luftraum bewegten, beschwerte sich das estnische Verteidigungsministerium darüber, dass am 17. Dezember eine An-72 bei der vorgelagerten Insel Vaindloo „weniger als eine Minute“ in den eigenen Luftraum eingedrungen sei – „der dritte Vorfall dieser Art in diesem Jahr“. Estland, Litauen und Lettland reagieren also sehr sensibel auf die Aktivitäten des übermächtigen Nachbarn und legen als NATO-Mitglieder großen Wert darauf, dass ihr Luftraum genauso gesichert wird wie in anderen Ländern der Allianz. 20 FLUG REVUE März 2016 www.flugrevue.de

Das Luftwaffen-Kontingent erlebte sommerliche Hitze und den Winter mit minus 20 Grad. Ämari bei Tallin wird seit April 2014 als zweite Basis für das Air Policing Baltikum benutzt. Von September bis Dezember 2015 waren erstmals auch ungarische Gripen in Šiauliai stationiert. Die ungarischen Piloten bereiteten sich speziell auf ihren Einsatz im Baltikum vor. Da sie selbst über keine geeigneten Kampfflugzeuge für die Luftraumsicherung verfügen, wird die Aufgabe des Air Policing im meist viermonatigen Wechsel von den Jets anderer Länder übernommen. Die bisher 40 Einsatzzeiträume wurden von den Luftstreitkräften aus 17 Nationen abgedeckt. Auch die Luftwaffe war in regelmäßigen Abständen dabei, zuletzt bis 6. Januar mit fünf Eurofightern und 180 Soldaten des Taktischen Luftwaffengeschwaders 31 „Boelcke“ in Ämari (Estland). Für die Sicherung und den Schutz der NATO-Außengrenze wurden in den vier Monaten seit Ende August 328 Flüge durchgeführt, und rund 30 russische Flugzeuge seien durch den internationalen Luftraum begleitet worden. Anders als bisher war dies auch nachts möglich. Die Piloten flogen erstmals mit Bildverstärkerbrillen, die hervorragend funktioniert hätten. Die Luftwaffe war diesmal als Ergänzung des im litauischen Šiauliai stationierten Führungskontingents unterwegs. Dieses wurde erstmals von Ungarn gestellt, das vier Saab Gripen und 80 Soldaten der No. 1 Vadaszrepülö des 59. Jagdgeschwaders aus Kecskemét entsandte. „Wir haben uns unter anderem mit Kanonenschießen und Lenkwaffenstarts über dem Vidsel-Testgelände in Schweden vorbereitet. Außerdem übten wir die Luftbetankung durch KC-135R“, erklärte Captain Viktor Langó, der Einsatzoffizier des Kontingents in Šiauliai. Von den Verfahren her ist das Baltic Air Policing Routine. „Wir machen genau das Gleiche zu Hause“, so Langó. Die Einsatzführung liegt beim CAOC (Combined Air Operations Center) der NATO in Uedem am Niederrhein. Sobald ein Alpha Scramble (Alarmstart) in Gang ist, übernimmt die Jägerleitzentrale Galaxy in Kaunas (Litauen). „Die wichtigste Lektion, die wir bei dieser ersten Teilnahme gelernt haben, ist, immer bereit für einen Einsatz zu sein. Andererseits bestätigen die guten Ergebnisse auch unsere Ausbildung“, sagt Langó. Trainingsmöglichkeiten gibt es auch während des Baltic Air Policing, denn die Piloten, die nicht in Bereitschaft sind, können fast jeden Tag eine Abfangübung durchführen. „Manchmal flogen wir auch Luftkampf zwei gegen zwei mit den deutschen Eurofightern“, so Langó. Mit den neuen Erfahrungen könnten die Ungarn sich auch am Iceland Air Policing beteiligen. Eine weitere Verlegung nach Šiauliai ist bereits für 2018 avisiert. Bis dahin übernehmen andere Länder die Daueraufgabe an der Ostflanke der NATO. Vom sonnigen Albacete in Südspanien aus machten sich Anfang Januar vier Eurofighter der Ala 14 auf den Weg ins winterliche Litauen. Gleichzeitig lösten in Ämari vier belgische F-16 die Eurofighter der Luftwaffe ab. FR Baltic Air Policing – Die Einsatzkontingente 39. Mission (1. Sept. 2015 bis 6. Jan. 2016) Ämari: Luftwaffe (5 Eurofighter, Taktisches Lufwaffengeschwader 31) Šiauliai: Ungarn (4 Gripen, 59. JG) 38. Mission (1. Mai bis 31. Aug. 2015) Ämari: Royal Air Force (4 Eurofighter FGR4, 6(F) Squadron) Malbork: Belgien (4 F-16AM) Šiauliai: Royal Norwegian Air Force (4 F-16AM, 338 Skvadron) Šiauliai: Aeronautica Militare Italiana (4 Eurofighter, 4° Stormo) 37. Mission (1. Januar bis 30. April 2015) Ämari: Spanien - Ejército del Aire (4 Eurofighter, Ala 11) Malbork: Belgien ( 4 F-16AM) Šiauliai: Aeronautica Militare Italiana (4 Eurofighter, 4° Stormo) Šiauliai: Polen (4 MiG-29A, 1. Esk. Lotnictwa Taktycznego) Fotos: Borremans, Verteidigungsministerium Estland, Luftwaffe, Dr. Sean Wilson (2), NATO www.flugrevue.de FLUG REVUE März 2016 21

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