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FLUG REVUE 03/2016

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Zivilluftfahrt ccum

Zivilluftfahrt ccum volorem porundae vollab ium stiegen bei den brasilianischen Gesellschaften die Betriebskosten 2015 um ein Viertel, die Einnahmen dagegen nur um vier Prozent, und für 2016 sehen die aktuellen Prognosen nicht viel rosiger aus. Trotzdem hat Neeleman für Azul bei Airbus fünf nagelneue A350-900 bestellt und kündigte bei der Versteigerung von TAP an, die Airline mit mehr als 50 modernen Maschinen (sowohl von Airbus als auch von Embraer) auszustatten. Allmählich wurde dann klar, dass der Azul-Chef den Griff nach TAP von langer Hand vorbereitet hatte. Schon die Wahl eines portugiesischen Partners war kein Zufall: Neeleman wusste, dass laut EU- Gesetzgebung kein mehrheitlicher Auslandsbesitz an einer europäischen Airline möglich ist. Folglich gab er sich bei Atlantic Gateway mit 49,9 Prozent Anteil zufrieden, während Pedrosas Firma 50,1 Prozent übernimmt. Dann stellte sich heraus, dass Neeleman schon im Mai 2015, einen Monat vor der TAP-Auktion, erste Kontakte zu Chen Feng hergestellt hatte. Chen Feng ist Chairman der chinesischen HNA-Holding, die mit einer Flotte von 561 Maschinen und 630 Destinationen viertgrößter Airlinebetreiber der Volksrepublik ist. Im Rahmen seiner international ausgerichteten Expansionsstrategie erwarb HNA zudem kürzlich für 2,8 Milliarden Dollar Swissport, einen der weltweit größten Abfertiger für Luftfracht. Im November 2015 verkaufte Neeleman TAP Express TAP will ihre Regionaltochter Portugália unter der neuen Marke TAP Express umbauen. Acht ATR72 und neun Embraer 190 bilden die neue Flotte, die den Niedrigpreisairlines Paroli bieten soll. Eine dicht beflogene, neue Pendellinie von Lissabon nach Porto soll sogar Portugals Eisenbahn Konkurrenz machen. 30 FLUG REVUE März 2016 www.flugrevue.de

Globale Partner im Vergleich Ausgewählte Schlüsselzahlen 2014 der brasilianischen, portugiesischen und chinesischen Airlinegruppen Azul TAP HNA Group Flotte 134 (7)* 77 (61) 561 Destinationen (In-/Ausland) 100** 83 630 Mitarbeiter 10 000 13 200 110 000 Beförderte Passagiere 21 Mio. 11,4 Mio. 68,2 Mio.*** Umsatz in US-$ 5,8 Mrd. 3,3 Mrd. 25,6 Mrd. *) Angaben in Klammern: Flugzeuge von Airbus **) Nur Inland. Azul fliegt aber auch nach Miami und Orlando. ***) Davon 38 Mio. bei der Haupttocher Hainan Airlines Quelle: Bloomberg und eigene Angaben der Gesellschaften Azul-Drehkreuzbetrieb in Campinas/Viracopos. für 450 Millionen Dollar 23,7 Prozent seiner Anteile von Azul an HNA. Da nur stimmrechtslose Vorzugsaktien über den Tisch gingen, verlor er dadurch nicht die Kontrolle über sein Unternehmen. Von der staatlichen Entwicklungsbank Chinas (BIC) bekam Neeleman parallel zum HNA-Deal einen Kredit von 200 Millionen Dollar für den Kauf neuer Flugzeuge. Von United Airlines kamen weitere 100 Millionen für fünf Prozent an Azul im Rahmen einer ähnlichen Transaktion wie mit HNA. Insgesamt flossen also bisher 750 Millionen Dollar in die Kassen von Azul. Die für Neelemans hochfliegende Pläne noch fehlenden 50 Millionen könnte er nach eigener Auskunft später bei der brasilianischen Entwicklungsbank (BNDES) als Kredit aufnehmen. NETZWERKE AUF BEIDEN SEITEN DES ATLANTIKS Das Bündnis von Azul und TAP wird nun neben seinem Privatisierungsrivalen Avianca zweites südamerikanisches Mitglied der Star Alliance, die seit dem Ausscheiden von TAM 2013 nicht mehr in der Region vertreten war. Abheben wird Atlantic Gateway, wie bei solchen Gemeinschaftsvorhaben üblich, zunächst mit einem Codeshare Agreement zwischen der portugiesischen und der brasilianischen Airline. Dadurch gelangt Azul über das Drehkreuz Lissabon an das nicht unbeachtliche Passagieraufkommen von TAP in Europa. Diesen Fluggästen kann Azul bei der Ankunft in Brasilien, immerhin Ziel von 22 Prozent aller Kunden, sein ausgedehntes inländisches Streckennetz zur Weiterreise anbieten. Klappt das, würde der Zustrom Neeleman ferner ermutigen, dieses Netz in Drittländer Südamerikas auszudehnen. So ähnlich könnte die Zusammenarbeit von Azul und HNA den internationalen Marktanteil der Brasilianer durch mehr Flugverkehr zwischen Südamerika und Asien verbessern. Kurzfristig am verlockendsten ist für Neelemans Airline jedoch die Aussicht, per Atlantic Gateway in die Euro-Zone zu fliegen und somit dringend benötigte Einkünfte in Hartwährung zu erzielen. Gestützt auf solche Erlöse, würde der für Azul beabsichtigte Steigflug durchaus Sinn ergeben. FR LORENZ WINTER Fotos: Lucio Daou/AirTeamImages, Rui Alves/AirTeamImages www.flugrevue.de FLUG REVUE März 2016 31

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