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FLUG REVUE 03/2017

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Zivilluftfahrt Europas

Zivilluftfahrt Europas größte Regionalairline (Links) Premierenflug Hannover – Lyon.(Mitte) Flybe- Farben auf einer Saab 340B von Loganair. (Unten) Die Q400 kann auch auf Regionalstrecken Geld verdienen. BREXIT VERUNSICHERT DEN MARKT der Turnaround, im Geschäftsjahr 2015/16 flog man erstmals wieder Profit ein. Im ersten Halbjahr 2016/17 allerdings halbierte sich der Unternehmensgewinn; kurz vor Bekanntgabe gab Saad Hammad völlig überraschend seinen Job als CEO auf. Derzeit herrscht unter britischen Airlines große Verunsicherung, weil unklar ist, welche Auswirkungen der „Brexit“ auf ihre Verkehrsrechte auf dem Kontinent und innerhalb der EU hat. Gleichzeitig verfällt das britische Pfund, bei verhaltener Passagiernachfrage und Überkapazitäten im europäischen Kurzstreckenmarkt. Im ersten Halbjahr 2016/17 stieg die angebotene Kapazität um 13,5 Prozent, während die Passagierzahl nur um gut 7 Prozent zunahm und die Auslastung daher auf 72 Prozent fiel. Viel Arbeit für die neue Frau an der Spit- ze: Christine Ourmières-Widener, früher bei Air France und fünf Jahre an der Spitze von CityJet, übernahm im Januar als Flybe-Chefin. „Eine Kernfrage für sie muss es sein, ob die aggressive Kapazitätsausweitung anhalten soll angesichts fallender Flugpreise“, warnen die Analysten von CAPA. „Turbulent mit unklaren Aussichten“, lautet denn auch die aktuelle Markteinschätzung des Unternehmens selbst. Und das zu einer Zeit, wo sich Flybe zunehmend außerhalb der Insel zu positionieren versucht. Im August nahm sie ihre ersten beiden Routen auf, die nicht Großbritannien berühren: von Hannover nach Mailand-Malpensa sowie nach Lyon. Während die Italienroute weiter bedient wird, erwies sich Lyon als Flop und wurde im Januar eingestellt. Die Briten sehen auf dem Kontinent enorme Wachstumschancen. „Derzeit gibt es dort etwa 13 Millionen Passagiere, die auf Routen ohne Low-Cost Carrier oder nur mit sehr geringem Wettbewerb durch Billigflieger unterwegs sind. Wir fliegen unterhalb des Radars der Billigflieger. Darin liegt eine große Chance“, sagt Finanzchef Vincent Hodder. 80 Prozent ihrer über 218 Routen in zehn Staaten bedient die Airline ohne Konkurrenz. Auf gerade zehn Strecken sieht sie sich dem Wettbewerb von easyJet ausgesetzt. Vor allem dank ihrer effizienten Flotte von 54 Bombardier Q400 kann sie hier bestehen. Sie ist zweitgrößter Q400-Betreiber weltweit. Mit 78 Sitzen ermöglicht die Turboprop, eine Route bei einem Aufkommen von nur 40 000 Passagieren im Jahr profitabel zu betreiben. Eine mit dem Airbus A319, dem kleinsten Flugzeug von easyJet, bediente Strecke benötigt dagegen rund 100 000 Fluggäste pro Jahr. Flybe sieht 39 Millionen 24 FLUG REVUE März 2017 www.flugrevue.de

Flybe – Daten und Fakten IATA-Code: BE ICAO-Code: BEE Eigentümer: 100 Prozent börsennotierter Streubesitz Betriebsaufnahme: 1. November 1979 (als Jersey European Airways), 1. Juni 2000 (als British European), 18. Juli 2002 (als Flybe) Mitarbeiter: 2262 Beförderte Passagiere: 2015/16: 8,2 Mio. 2014/15: 7,7 Mio. 2013/14: 7,7 Mio. Flotte (November 2016): 54 Bombardier Q400 11 Embraer E175 9 Embraer E195 5 ATR 72-600 (Links) Das Flybe-Simulatorzentrum in Exeter. (Rechts) Die Werft in Exeter betreut auf sieben Liegeplätzen fast 200 Flugzeuge unterschiedlicher Kunden. (Unten) Das Archivbild zeigt Flybe-Hochbetrieb in Birmingham mit Flugzeugen in alter Lackierung. Fotos: AirTeamImages / Ray McFadyen, Flybe, Andreas Spaeth Flugzeugbestellungen: 2 ATR 72-600 6 Bombardier Q400 4 Embraer E175 Drehkreuze: Birmingham, Manchester Streckennetz: Flybe fliegt 40 Ziele in Großbritannien und 35 in weiteren neun europäischen Ländern an und bietet insgesamt 218 Verbindungen. Nur zwei berühren Großbritannien nicht – die von Hannover nach Lyon bzw. nach Mailand-Malpensa. In Deutschland bedient Flybe Berlin-Tegel, Hannover, Düsseldorf (ab 2017 Basis), Stuttgart und München. Gewinn/Verlust (vor Steuern): 2015/16: + 2,7 Mio. Pfund 2014/15: – 35,6 Mio. Pfund 2013/14: + 8,1 Mio. Pfund www.flybe.com bezüglich regionaler Anbindungen unterversorgte Bürger in Westeuropa. „Wenn wir davon nur zehn Prozent befördern würden, könnten wir unsere Größe verdoppeln“, rechnet Vincent Hodder vor. Solch kühne Visionen könnten allerdings akut durch den „Brexit“ bedroht sein. Hodder entgegnet: „Ich glaube nicht, dass der ‘Brexit’ uns zwingen wird, Routen wie Hannover – Mailand aufzugeben. Wir werden immer eine Lösung finden, die Restriktionen zu umgehen, die von Regierungen verhängt werden könnten. Einer unserer großen Vorteile ist es, flexibel zu sein und sich Veränderungen anzupassen, und das sehr schnell.“ Flybe versucht, die besten Elemente von Netzwerk-Carriern und Billigfliegern zu kombinieren. „Wir haben ein Angebot an Frequenzen und eine Flugplandichte, wie sie einer Netzwerk- Airline entsprechen, und eine Kostenbasis wie ein Billigflieger. Wir verkaufen 80 Prozent unserer Tickets über unsere Website – auch ein Billigflug-Element. Gleichzeitig setzen wir, eher wie eine Netzwerk-Airline, stark auf Codesharing-Abkommen und Interlining, etwa mit Air France, Etihad, Emirates oder Virgin Atlantic, in Europa auch neu mit airberlin“, erklärt Vincent Hodder. Vor allem Deutschland hat Flybe im Fokus und weitet ihr Streckennetz hierzulande deutlich aus. Zuletzt mit Flügen von Berlin nach Cardiff in Wales und von Düsseldorf nach London-City und Doncaster/Sheffield. London spielte zuletzt eine vergleichsweise kleine Rolle, nachdem sich die Fluggesellschaft 2013 nach 23 Jahren aus Gatwick zurückgezogen hat und ihre 25 Slot-Paare für 20 Millionen Pfund an easyJet verkaufte. Seitdem hat sie fünf Flugzeuge am London City Airport stationiert und vergeblich versucht, Zugang zum vor allem von Business Jets genutzten Fliegerhorst Northolt zu erhalten. Nun aber verkündete Flybe überraschend, ab März sieben werktägliche Flüge von Heathrow nach Aberdeen und Edinburgh zu bedienen – mit Slots, die IAG bereits 2012 im Zuge der BMI-Übernahme abgeben musste. Und Düsseldorf kommt bald bei Flybe groß raus, hat die Airline doch jetzt angekündigt, hier bis Herbst 2017 eine Basis – ihre erste außerhalb Großbritanniens – einzurichten. „Dort wollen wir zunächst drei Q400 stationieren und deutsche Besatzungen für Cockpit und Kabine einstellen“, sagt Farajallah, der auch in Holland oder Belgien Piloten zu finden hofft. Flybe bietet ab dem Rhein/ Ruhr-Flughafen bereits fünf britische Ziele mit bis zu 77 Flügen pro Woche an. www.flugrevue.de FLUG REVUE März 2017 25

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