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FLUG REVUE 04/2015

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Das Ende der Riesen: Die Zukunft von 747 A380 Aus aller Welt: Transporthubschrauber für die Militärs Neue Serie: Lexikon der Luftfahrt

Zivilluftfahrt

Zivilluftfahrt Star-Mitglied Air India Mit ihrem neuen Mitglied Air India hat das Luftfahrtbündnis Star Alliance einen wichtigen Partner im strategischen Luftfahrt-Wachstumsmarkt Indien. größten Baustellen ist die Flotte. Eine politisch motivierte Riesenbestellung von 68 Jets bei Boeing im Januar 2006 hat bis heute negative Folgen. Denn dazu gehörten neben 18 Boeing 737-800 für Air India Express und 27 Dreamlinern auch acht Boeing 777-200LR und 15 Boeing 777-300ER. Beide 777-Varianten erwiesen sich als weitgehend unbrauchbar für Air India. Vor allem die LR-Flotte, die ab Juli 2007 eintraf, wurde zum Mühlstein und Auslöser eines politischen Skandals. Denn fünf der Langstreckler wurden zum Spottpreis für ein Drittel ihres Wertes an Etihad verkauft, wo sie jetzt ausgerechnet auf Routen von Indien nach Abu Dhabi für die neue Etihad-Beteiligung Jet Airways in direkter Konkurrenz zu Air India fliegen. GRÖSSERE DREAMLINER FÜR DIE LANGSTRECKENFLOTTE „Die Annahme war, dass Nonstopflüge nach Amerika ein besonderes Produkt seien, mit dem sich um zehn Prozent höhere Flugpreise erzielen ließen“, so Rohit Nandan, „aber das klappte nicht, weil viele andere Gesellschaften wie United und American Nonstopflüge anboten, außerdem der Markt überschwemmt wurde von den Golf-Carriern mit ihren neuen Verkehrsrechten.“ Fast neue 777-200LR wurden daraufhin bald abgestellt, bis es zu dem umstrittenen Verkauf von fünf Flugzeugen kam. Auch die 777-300ER, von der Air India derzeit zwölf betreibt, werden kaum noch benötigt. „Was wir in den letzten Jahren erreicht haben, verdanken wir vor allem der Wirtschaftlichkeit der 787. Wir haben bereits den gesamten Asien/Pazifik- Verkehr auf die 787 umgestellt und fliegen auch in Europa mit Ausnahme eines London-Fluges mit der 777-300ER.“ Derzeit betreibt Air India 18 Boeing 787-8 mit 256 Sitzen; sechs noch offene Bestellungen wurden jetzt umgewandelt in Orders für die 787-9, die 40 Plätze mehr bieten wird. Mit den zusätzlichen Dreamlinern will Air India auch neue Strecken aufnehmen, die sie als typische 787-Routen sieht: Im Gespräch sind Bangalore – München – Amsterdam sowie von Delhi nach Amsterdam und weiter nach Stockholm oder Kopenhagen, außerdem eine Verbindung nach Barcelona und Madrid. Für die Kurz- und Mittelstrecken hingegen konzentriert sich Air India auf Airbus-Flugzeuge. Insgesamt 14 Airbus A320 sollen 2016/17 gegen geleaste Airbus A320neo ausgetauscht werden. Auch die Flotte von Air India Express, die bisher 17 Boeing 737-800 umfasst, soll bis 2017 mit neuen Boeing 737 MAX auf 36 Flugzeuge mehr als verdoppelt werden. Derzeit beträgt das durchschnittliche Flottenalter 8,5 Jahre, bis 2017 soll es auf knapp sechs Jahre gesunken sein. Dann wird Rohit Nandan nicht mehr dabei sein, da er bereits in diesem Jahr an die Spitze des Ministeriums für Zivilluftfahrt aufrücken will. Er wird nichts daran ändern können, dass Indien ein sehr kleiner Luftfahrtmarkt ist. Aber er wird den Airlines des Landes, die unter extremen Steuern auf Kerosin, hohen Zinsen und heftigen Flughafengebühren leiden, das Leben vielleicht leichter machen können. Und die lange überfällige Privatisierung von Air India einleiten, damit die Staatsairline vielleicht doch noch eine Chance auf ein erfolgreicheres Dasein bekommt. FR Die Boeing 747-400 steht bei Air India vor der Ausmusterung und fliegt inzwischen nur noch für die Regierungsstaffel. Fotos: Raihan Ahmed/AirTeamimages, Aleksi Hamalainen/AirTeamimages 32 FLUG REVUE APRIL 2015 www.flugrevue.de

ATR-Absturz in Taiwan Falscher Motor abgeschaltet Beim Absturz einer ATR 72 in Taipeh beging die Besatzung allem Anschein nach einen fatalen Irrtum und schaltete bei einem Triebwerksproblem den falschen Antrieb ab. Die ATR 72 streifte eine Brücke und stürzte in einen Fluss (oben eine baugleiche Maschine). Fotos: ATR, YouTube, ASC Taiwan Am 4. Februar stürzte eine ATR 72-600 der taiwanesischen Fluglinie TransAsia Airways nach dem Start in Taipeh ab. Videoaufnahmen aus einem Fahrzeug zeigen, wie der Turboprop rapide an Höhe verlor, nach links abkippte und eine Brücke streifte. Anschließend schlug die Maschine im Fluss auf, brach auseinander und ging fast komplett im Wasser unter. 43 der 58 Personen an Bord kamen ums Leben. Der Flug GE235 war auf dem Taipeh Songshan Airport gestartet und sollte zu den Kinmen-Inseln vor der südostchinesischen Küste fliegen. TRIEBWERK FÄLLT KURZ NACH DEM START AUS Erste Informationen der taiwanesischen Luftfahrt-Sicherheitsbehörde ASC (Aviation Safety Council) zeigen, dass 37 Sekunden nach dem Abheben der ATR (Kennung B-22816) im Cockpit eine Fehlerwarnung zum Ausfall des rechten Triebwerks (Nummer 2) aufleuchtete. Zu diesem Zeitpunkt betrug die Flughöhe rund 360 Meter. Fünf Sekunden später – um 10.52:43 Ortszeit – wurde der Leistungshebel des linken Triebwerks (Nummer 1) zurückgezogen, bis er in Leerlaufstellung war und die Treibstoffversorgung abgeschaltet war. Die Piloten besprachen, dass das linke Triebwerk ausgefallen sei. Um 10:53:06 ging der Propeller des rechten PW127M-Antriebs in Segelstellung. Sechs Sekunden später Warum ein Triebwerk der ATR 72-600 ausfiel, ist noch nicht geklärt. erklang eine erste Strömungsabrisswarnung. Um 10:53:19 entschied die Besatzung, das linke Triebwerk wieder anzulassen. Zwei Sekunden später gab es eine zweite Stall-Warnung, und um 10:53:34 gab die Crew den Funkspruch „Mayday! Mayday! Engine flame out!“ ab. Laut den im Flugschreiber aufgezeichneten Parametern wurde das linke Triebwerk um 10:54:20 wieder gestartet. 14 Sekunden später ertönte ein weiteres Warnsignal; unmittelbar danach hören die Aufzeichnungen auf. Die Besatzung hatte die Fehlermeldung falsch interpretiert und statt des betroffenen rechten Triebwerks das linke abgeschaltet, und das innerhalb von nur fünf Sekunden. Neben den beiden Piloten (Erfahrung von 4914 und 6922 Flugstunden) befand sich auch ein Fluglehrer (16 121 Flugstunden) im Cockpit. Alle drei überlebten nicht. Nach dem Unglück führte die Airline einen Test über Notfallprozeduren durch und suspendierte zehn Piloten, die nicht bestanden. FR PATRICK HOEVELER www.flugrevue.de FLUG REVUE APRIL 2015 33

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