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FLUG REVUE 04/2016

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Militärluftfahrt

Militärluftfahrt Lockheed Martin F-35 Ein Jahr und zwei Monate hat die F-35-Flotte benötigt, um die Zahl der Flugstunden auf 50 000 zu verdoppeln – für die Programmverantwortlichen ein klares Zeichen für die raschen Lieferfortschritte und die zunehmende Reife des neuen Stealth-Fighters. Laut dem Joint Program Office waren 25 000 Stunden im Dezember 2014 erreicht worden, also acht Jahre nach dem Erstflug der F-35 (15. Dezember 2006). Die 18 für Testaufgaben genutzten Jets mit 12 500 Stunden Gesamtflugzeit wurden von den bei regulären Staffeln genutzten F-35 mit 37 950 Flugstunden nun deutlich übertroffen. Entsprechend den Lieferzahlen führt die F-35A mit etwa 26 000 Stunden vor der F-35B mit 18 000 Stunden und der F-35C mit 6000 Stunden. Die F-35 ist derzeit auf zehn Militärbasen in den USA stationiert und fliegt auch an den Plätzen der Endmontagewerke Fort Worth (Lockheed Martin) und Cameri (Finmeccanica in Italien). Laut Programmbüro wurden 250 Piloten und 2400 Techniker auf dem neuen Muster ausgebildet. FLUG VON ITALIEN NACH PATUXENT RIVER Zu den F-35-Piloten zählt auch Major Gian Marco D. von der Aeronautica Militare Italiana. Er konnte am 5. Februar die Ehre einheimsen, als Erster eine F-35 Gute Zeiten, schlechte Zeiten Während Lockheed Martin die Erprobung der F-35 vorantreibt, hat der Pentagon-Test-Direktor in seinem Jahresbericht wieder viele Kritikpunkte aufgelistet. über den Atlantik geflogen zu haben. Das erste in Cameri montierte Flugzeug mit der Serienkennung AL-1 traf am Freitagnachmittag nach einem etwa siebenstündigen Flug auf der Navy-Testbasis Patuxent River in Maryland ein. Gestartet war die F-35A am Morgen von der Lajes Air Base auf den Azoren. Dort musste Major Gian Marco D. wegen schlechten Wetters tagelang auf den Weiterflug warten. Auch am entsprechenden Freitag war das Wetter mit Gegenwind bis 220 km/h streckenweise noch sehr schlecht, und es war unumgänglich, in den Wolken und bei Turbulenzen zu tanken. Die F-35A wurde auf dem Verlegungsflug von einer KC-767A der Aeronautica Militare begleitet. Ein weiterer KC-767-Tanker und ein Eurofighter gehörten ebenfalls zur Gruppe. Im Notfall hätten zudem zwei C-130 Hercules ein Rettungsboot abwerfen können. Major Gian Marco D. hat bereits 80 Stunden Erfahrung auf der F-35A. Er wurde bis letzten November in Luke AFB auf dem neuen Jet ausgebildet. Zuvor flog er Tornado. Die Tankerqualifikation für die KC-767A hatte man zwischen Juli und September 2015 in Edwards AFB erreicht. Nach etwa drei Monaten, in denen diverse Tests zur elektromagnetischen Verträglichkeit der Systeme anstehen, wird die AL-1 weiter nach Luke fliegen, wo sie in die Flotte der Ausbildungsflugzeuge eingegliedert wird. Insgesamt wird Italien fünf F-35A für das internationale Trainingszentrum bereitstellen. In Patuxent River laufen natürlich noch weitere Tests mit der F-35B und der F-35C. Die Version für den Einsatz 50 FLUG REVUE APRIL 2016 www.flugrevue.de

Zu den Vorarbeiten für die Atlantiküberquerung gehörten Luftbetankungstests mit der italienischen KC-767A im letzten Jahr. Die erste italienische F-35 traf am 5. Februar in Patuxent River ein. Die Italiener stellten Tanker und Begleitflugzeuge. Das Team wurde von Technikern von Lockheed Martin unterstützt. Fotos: Lockheed Martin, USAF auf Flugzeugträgern begann am 10. Februar mit einer neuen Landetestkampagne. Dabei wird untersucht, ob sich bei der Abbremsung durch das Fangseil Änderungen im Verhalten ergeben, wenn Außenlasten an den Tragflächen hängen. Derweil wurde vom Testzentrum Edwards AFB in Kalifornien aus der erste Teststart einer AIM-9X Sidewinder von einer F-35A aus durchgeführt. Bei dem Flug über der Pacific Sea Test Range startete Lockheed-Martin-Testpilot David „Doc“ Nelson die Luft-Luft-Lenkwaffe in einer Höhe von etwa 2000 Metern vom äußeren Flügelpylon. Weitere Details wurden von der 461st Flight Test Squadron nicht mitgeteilt. Die AIM-9X ist dank Schubvektorsteuerung in der Lage, eng zu kurven und somit Ziele auch neben oder sogar hinter dem Flugzeug anzugreifen. Sie soll mit dem Softwarestandard Block 3F im Jahr 2017 zertifiziert werden. Die britischen Lightning II werden mit der europäischen Luft-Luft-Lenkwaffe ASRAAM (Advanced Short Range Air-to-Air Missile) bestückt. Noch 2016 sollen Schussversuche stattfinden. MBDA hat dafür im Januar mit der Bereitstellung einer nicht genannten Anzahl an Flugkörpern begonnen. Die Tests werden sowohl in Patuxent River als auch in Edwards AFB durchgeführt. BAE Systems ist dabei zuständig für die Integration. Nach ersten Flügen für die Datensammlung stehen Abwurfversuche und schließlich gelenkte Schüsse auf dem Programm. Dabei werden auch Zieldrohnen bekämpft. ASRAAM ist mit einem Wärmebild-Suchkopf ausgerüstet. Großbritannien als größter internationaler Partner des Joint-Strike-Fighter- Programms ist auch an anderer Stelle maßgeblich in die Tests einbezogen. Eine Zelle der F-35A wird zum Beispiel auf dem Prüfstand bei BAE Systems in Brough weitere 8000 Stunden den typischen Belastungen im Flug ausgesetzt. Seit 2009 hat die Zelle bereits 16 000 Stunden in der 350 Tonnen schweren Versuchsanlage absolviert, was der doppelten Lebensdauer entspricht. Dabei brachten 160 Aktuatoren typische Lasten auf die Struktur, während 2500 Dehnmessstreifen auf einer Kabellänge von etwa 32 Kilometern die Reaktion der Zelle festhielten. In Brough wurden neben der Rumpfstruktur der F-35A im vergangenen Jahr auch die Seitenleitwerke der F-35A und der F-35B einem 24 000 Stunden dauernden Ermüdungsprogramm unterzogen. www.flugrevue.de FLUG REVUE APRIL 2016 51

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