Aufrufe
vor 3 Jahren

FLUG REVUE 05/2015

  • Text
  • Flug
  • Revue
  • Airbus
  • Boeing
  • Deutschland
  • Flugzeuge
  • Millionen
  • Hahn
  • Delhi
  • Aviation
  • Typhoon
- Germanwings-Absturz: Erste Erkenntnisse der Unfallermittler - Italiens Eurofighter: Einsatz über dem Mittelmeer - A380neo: Emirates drängt auf Entscheidung

Zivilluftfahrt

Zivilluftfahrt Germanwings-Unglück Sinkflug in die Berge Das schwere Flugzeugunglück in Frankreich mit einem Airbus A320 von Germanwings scheint auf ein absichtliches Handeln des Copiloten zurückzuführen zu sein. Am Vormittag des 24. März startete der Germanwings-Linienflug 4U9525, ein Airbus A320-211 mit 144 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern an Bord, in Barcelona- El Prat zum Flug nach Düsseldorf. Gegen 10.30 Uhr passierte das Flugzeug bei Marseille die französische Mittelmeerküste und hatte seine Reiseflughöhe von Flugfläche 380 (11600 m) erreicht. Als letzte Funkmeldung bestätigte das Flugzeug als „GWI18G“ zu dieser Zeit routinemäßig eine Freigabe der Flugsicherung zum direkten Anflug des Wegpunkts „IRMAR“. Doch schon eine Minute später begann der Airbus, stets sauber auf Nordostkurs bleibend, einen nicht freigegebenen Sinkflug – vielfache Nachfragen der Flugsicherung wurden nicht mehr beantwortet. Mit durchschnittlich 3700 Fuß pro Minute (1130 m) sank der Zweistrahler auf gerader Linie immer weiter ab. Um 10.40 Uhr ging der Radarkontakt verloren, kurz danach streifte das noch immer sinkende Flugzeug, nun schon mitten in den französischen Seealpen, eine Böschung und schlug mit hoher Geschwindigkeit hart auf einem steilen Berghang auf 1500 Metern Höhe auf. Eine sofort eingeleitete Rettungsaktion, Augenzeugen hatten den Sinkflug beobachtet und den Aufschlag gehört, brachte bald die traurige Gewissheit, dass keiner der 150 Insassen das Unglück überlebt haben konnte. Das Flugzeug wurde beim Aufprall in kleinste Teile zerrissen. Dennoch gelang den französischen Behörden noch am Abend die Sicherstellung des beschädigten Stimmenrekorders aus den Trümmern. Nachdem über Nacht die „New York Times“ berichtet hatte, im Cockpit sei nur ein Pilot gewesen, trat der zuständige Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, am 26. März vor die Presse. Obwohl der Flugdatenrekorder noch nicht gefunden war, erläuterte er aufgrund der ersten Auswertung des Stimmenrekorders seine „plausibelste Interpretation“ des Geschehens. Der Erste Offizier habe Das Flugzeug: Airbus A320-211 Registrierung: D-AIPX Werknummer: MSN147 Baujahr: 1990 Flugstunden: 58300 Flugzyklen: 46700 Triebwerke: zwei CFM56-5A1 Der Airbus A320 prallte mit hoher Geschwindigkeit auf einen Berghang (oben). Der beschädigte Stimmenrekorder konnte ausgewertet werden (links). 30 FLUG REVUE MAI 2015 www.flugrevue.de

durch Einstellung am Autopiloten absichtlich den Sinkflug in die Berge eingeleitet. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kapitän das Cockpit kurz verlassen. Der Erste Offizier habe seinem Kapitän danach die Rückkehr ins Cockpit verwehrt. Der Stimmenrekorder zeichnete das vergebliche Klopfen und Rufen des Kapitäns auf, der sich zuletzt noch gewaltsam Zutritt verschaffen wollte. Staatsanwalt Robin erklärte: „Aus heutiger Sicht scheint es dafür keinen anderen Grund gegeben zu haben als die Absicht, das Flugzeug zerstören zu wollen.“ COCKPITTÜR WURDE VON INNEN VERRIEGELT Der erfahrene Kapitän hatte keine Chance, rechtzeitig ins Cockpit zurückzukehren und einzugreifen. Zwar gibt es für den Eintritt Codes und Notfallcodes, wenn aber der verbliebene Cockpitinsasse eine Sperrtaste zusätzlich drückt, wird Außenstehenden trotz Kenntnis des gültigen Codes der Zutritt verwehrt. Die gepanzerten Sicherheitstüren wurden nach den Anschlägen des 11. September eingeführt, um Terroristen vom Kapern von Flugzeugen abzuhalten. In den USA wurde seinerzeit eine Regelung erlassen, nach der sich immer mindestens zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten müssen. Geht im Zweimanncockpit ein Pilot zum Beispiel kurz auf die Toilette, nimmt für diese Zeit ein Flugbegleiter seinen Platz ein. Über die Motive des 27 Jahre alten Ersten Offiziers konnte bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nur gerätselt werden. Die zuständige Staatsanwaltschaft Düsseldorf berichtete nach Durchsuchungen zweier Wohnungen des Ersten Offiziers, es seien keine Anhaltspunkte für einen bevorstehenden Selbstmord oder gar für etwaige terroristische Absichten gefunden worden. Es gab aber „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“. Diese deuteten darauf hin, dass der Erste Offizier erkrankt gewesen sei und sich in ärztlicher Behandlung befunden habe, was er „gegenüber dem Arbeitgeber und dem beruflichen Umfeld verheimlicht hat“. Die Auswertung dauere aber noch an, so die Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Linienpiloten werden flugmedizinisch überwacht und jährlich flugmedizinisch untersucht. Nur bei voller Tauglichkeit werden sie zum Flugdienst zugelassen. Von ärztlichen Behandlungen außerhalb dieser Kontrollen erhält der Arbeitgeber aber nicht automatisch Kenntnis. Als Reaktion auf das Unglück verkündeten die deutschen Fluggesellschaften, eine Zwei-Personen-Anwesenheitspflicht im Cockpit einführen zu wollen. Lufthansa erklärte am 27. März, ergänzend zu ihrem eigenen Sicherheitspiloten das Amt eines Konzern-Sicherheitspiloten einzuführen, der „mit übergreifender Verantwortung flugsicherheitsrelevante Verfahren überprüfen und weiterentwickeln“ solle. FR SEBASTIAN STEINKE Mit farbigen Fähnchen markieren die Bergungsteams gefundene Trümmer. Die Spurensicherung erfolgt unter widrigen Bedingungen in einem nur schwer zugänglichen Geröllhang. Fotos: BEA, Ministère de l´Interieur (5), Maximilian Kaiser Bundeskanzerlin Merkel, Frankreichs Präsident Hollande und Spaniens Regierungschef Rajoy besuchten die Einsatzbasis der Helfer bei Barcelonnette in Frankreich. www.flugrevue.de FLUG REVUE MAI 2015 31

Kiosk

FLUG REVUE 07/2015
FLUG REVUE 06/2015
FLUG REVUE 05/2015
FLUG REVUE 04/2015
FLUG REVUE 03/2015
FLUG REVUE 02/2015
FLUG REVUE 01/2015
FLUG REVUE 12/2014

RSS-Feed

© Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG