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FLUG REVUE 05/2016

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Take-Off Erster

Take-Off Erster Waffenlehrerkurs mit dem Eurofighter Die Simulatoren spielen bei der Eurofighter-Ausbildung eine wichtige Rolle. Am schwarzen Brett hängt ein Bord mit sechs Namen. Hinter jedem eine Strichliste, aufgeteilt in zwei Bereiche: „Kills“ und „Morts“ – Abschüsse und Niederlagen im Luftkampf. Und die Anzahl der „Kills“ übertrifft die der „Morts“ bei Weitem, getreu dem in großen Lettern auf ein Wandbild geprägten Motto: „Fight to fly, fly to fight, fight to win“ („Kämpfe, um fliegen zu können, fliege, um zu kämpfen, kämpfe, um zu gewinnen“). Das Wandbild, das einen Jet im Visierkreis eines Eurofighters zeigt, hängt bei der 1. Staffel des Taktischen Luftwaffengeschwaders 73 „Steinhoff“ (TaktLwG 73 „S“) in Laage bei Rostock, die Inschrift ist der Leitspruch der neu geschaffenen Eurofighter-Waffenschule, und die sechs Namen gehören zu den Piloten aus Laage, Neuburg und Nörvenich, die den ersten Waffenlehrer-Lehrgang auf dem modernsten Kampfflugzeug der Luftwaffe durchlaufen haben – drei als Instruktoren und drei als Schüler. „Wir haben hier einen sehr hohen Anspruch“, sagt Oberstleutnant Julius K., Leiter dieses ersten Fighter Weapons Instructor Course (FWIC). „Wir wollen nicht nur den Taktikexperten heranbilden, sondern auch fliegerische Vorbilder, die in Staffeln und Stäben ihre Expertise einbringen und bei einem möglichen Einsatz vorwegfliegen, und die nicht nur die Stärken und Schwächen gegnerischer Jets aus dem Effeff kennen, sondern auch in einem gemischten Großverband die eigenen Waffensysteme entsprechend ihrer Fähigkeiten einsetzen können.“ Oder kurz gesagt: „Top Gun“. Diese Leitsätze waren schon bei der feierlichen Lehrgangseröffnung am 14. September 2015 postuliert worden. „2004 war der letzte Waffenlehrer-Lehrgang auf F-4F Phantom, seitdem gab es keinen FWIC mehr für den Air-to-Air- Bereich“, sagt Julius K. Es sei eine Riesenherausforderung gewesen, nach elf Jahren Pause den neuen Kursus auf die Beine zu stellen. Erstmals lief ein FWIC als gemeinsamer Lehrgang mit Tornado- Crews ab, und erstmals waren auch Jägerleitoffiziere als Teilnehmer dabei. „Für diese beiden Command-and-Control-Schüler hatten wir einen sehr erfahrenen Controller als Lehrer in unserem Team“, sagt Julius K. Dieser sei eine große Bereicherung gewesen – besonders während der DACT-(Dissimilar Air Com bat Training-)Phase, in der nicht nur der Luftkampf gegen andere Eurofighter, sondern auch gegen verschiedene weitere Muster geübt wurde und in der die beiden Kursteilnehmer aus dem Radarführungsdienst sehr stark eingebunden waren. „Das wollen wir noch ausbauen und in Zukunft auch Lehrgangsteilnehmer aus dem Bereich Intelligence, also dem nachrichtendienstlichen Sektor, und der Missionsplanungszelle mit dazunehmen – eben alles Schlüsselpersonal, das zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung einer verbundenen Luftkriegsoperation gehört“, sagt Oberst Bernhard Teicke, Kommodore des TaktLwG 73 „S“. Für die DACT-Phase im Februar wurde sogar eine verlegbare Führungsstation – ein Deployable Control and Reporting Center (DCRC) – auf dem Fliegerhorst aufgebaut. Von hier wurde das 22 FLUG REVUE Mai 2016 www.flugrevue.de

Auch in Laage stehen statt der Shelter heute die typischen Boxen für den Eurofighter. Luftkampftraining geleitet. Zwar soll die Waffenschule später ins TaktLwG 71 „Richthofen“ nach Wittmund verlagert werden, aber mindestens den zweiten Kurs wird es wohl noch im „Steinhoff“- Geschwader geben. Wegen des Einsatzes von Radar- und Infrarot-Täuschkörpern (Chaff/Flare) fanden viele Flüge über der Ostsee statt. „Wir nutzten alles, was der Eurofighter technisch zu bieten hat, und der Übungsgegner machte es für uns bei jedem Einsatz zu einer echten Herausforderung, gegen ihn erfolgreich zu bestehen“, so Oberstleutnant K. Begonnen hatte der in drei Blöcke eingeteilte Kurs mit einem vierwöchigen Theorieteil, der zusammen mit den Teilnehmern des Tornado-Waffenlehrer- Lehrgangs absolviert wurde. Während jene danach auf die US-Basis Holloman zurückkehrten, wo derzeit noch die fliegerische Aus- und Weiterbildung der Schwenkflügler-Crews stattfindet, reisten die Eurofighter-Piloten für zwei Wochen zum Systemunterstützungszentrum nach Manching. Hier erhielten sie eine eingehende Waffeneinweisung. Theoretischer Unterricht begleitete auch die Missionen in der zweiten, taktischen Phase. „Die begann mit Übungsluftkämpfen einer gegen einen im Nahbereich und steigerte sich von zwei gegen einen bis zwei gegen x andere Flugzeuge“, sagt Julius K. Danach wurden die Übungszenarien auf den Einsatz von Waffen über mittlere Entfernungen ausgedehnt – „und zwar bis zu vier versus x, auch unter Instrumentenflugbedingungen, bei schlechtem Wetter und bei Nacht sowie mit der Einbindung von Mitteln der elektronischen Kampfführung“, so der Lehrgangsleiter weiter. Am Ende dieser Phase sei zudem noch die Bedrohung durch bodengebundene Flugabwehrsysteme dazugekommen. „Und alles wurde vorher extensiv gebrieft und ebenso gründlich nachbereitet, mit sehr hohem Simulatoranteil.“ Das Simulatorteam habe sehr viel zum Erfolg des Lehrgangs beigetragen: „Vor dem Kurs haben wir Szenarien und Bedrohungen festgelegt, die über Monate vorbereitet und programmiert wurden, um die Lehrgangsteilnehmer in einer komplexen synthetischen Umgebung auf die echten Missionen über der Ostsee vorzubereiten.“ DEUTSCH-BRITISCHE ABSCHLUSSÜBUNG Den dritten und letzten Teil bildete die Mission-Employment-Phase, die zusammen mit dem Eurofighter-Waffenlehrerkurs der Royal Air Force durchgeführt wurde, und in dem der Einsatz großer Verbände verschiedener Flugzeugmuster gemeistert werden musste – sogenannte COMAOs (Combined Air Operations). „Da war alles dabei: britische Eurofighter, Tornados, Tankflugzeuge, AWACS und andere fliegende Plattformen“, erzählt Julius K. Diese Abschlussübung sowohl für den deutschen als auch den britischen Eurofighter-FWIC fand im März unter dem Namen „Cobra Warrior“ von der RAF-Basis Coningsby aus statt. Bei der gemeinsamen Graduation am 9. April 2016 in Holloman kamen die Teilnehmer der Eurofighter- und Tornado-Kurse wieder zusammen. Wie wichtig die Führung diese Hochwertlehrgänge nimmt, lässt sich daraus ersehen, dass sich sogar der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Karl Müllner, auf den Weg in die USA machen wollte. „Die Absolventen werden die Qualität sowohl der Crews selber als auch der Einsatzgrundsätze ihres Waffensystems Mit IRIS-T am Flügel und vier AMRAAMs hat der Eurofighter im Luftkampf flexible Möglichkeiten. deutlich anheben“, ist sich Generalmajor Günter Katz, Kommandeur der fliegenden Verbände und Kampfflugzeug-Beauftragter des Inspekteurs, sicher. Katz war selber Waffenlehrer auf F-4F und weiß: „Deren hohe Reputation rührte daher, dass sie durch die Fortbildung ihrer Kameraden für eine kontinuierliche Optimierung der Fähigkeiten sorgten.“ Die Verantwortung der Lehrgangsteilnehmer beginne so richtig erst nach der Graduation, bestätigt der Lehrgangsleiter. Er hofft, dass die sechs Flugzeugführer, die nun stolz das neue Eurofighter-Waffenlehrerabzeichen tragen, in absehbarer Zeit als Instruktoren fungieren werden. „Zunächst aber müssen sie nun die Piloten in ihren Heimatgeschwadern auf das taktische Niveau bringen, das es ihnen erlaubt, Einsätze zu bestehen – und heil wieder zurückzukommen.“ Denn das relativiert das Bord mit der „Kill/Mort“-Liste: „Es bedeutet gar nichts, wenn wir hier 20 Abschüsse bei nur fünf Niederlagen vermerkt haben“, sagt einer der Absolventen ernst. „Wir haben alle nur ein Leben.“ FR www.flugrevue.de FLUG REVUE Mai 2016 23

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