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FLUG REVUE 05/2017

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Raumfahrt Mondmission In

Raumfahrt Mondmission In sechs Tagen um den Mond Seit 45 Jahren gab es keine bemannte Mondmission mehr. Das soll sich jetzt ändern – privat finanziert. Schon nächstes Jahr will SpaceX zwei Weltraumtouristen um den Erdtrabanten fliegen. Von FRANK WUNDERLICH-PFEIFFER 76 FLUG REVUE Mai 2017 www.flugrevue.de

Der Erdaufgang vor der Kraterlandschaft des Mondes: Zu Weihnachten 1968 haben drei Astronauten diese Szene zum ersten Mal mit eigenen Augen gesehen. Seit dem Ende des Apollo-Programms im Dezember 1972 war allerdings keinem Menschen mehr der Anblick des daumengroßen Farbkleckses über der Wüste des Mondes vergönnt. Raumstationen im niedrigen Erdorbit waren seither der äußerste Punkt im Weltall, an dem sich Menschen aufhielten. Das könnte sich bald ändern. Am 27. Februar gab Elon Musk auf einer Pressekonferenz bekannt, dass zwei Privatleute sein Unternehmen SpaceX für einen Flug um den Mond bezahlt haben. Um wen es sich handelt, sagte die US- Raumfahrtfirma noch nicht. Zunächst sollen die Gesundheitstests abgewartet werden. Schon im kommenden Jahr wollen die beiden den Flug an Bord eines Raumschiffes vom Typ Dragon V2 unternehmen. Die bemannte Kapsel soll, anders als Apollo 8, keinen Orbit um den Mond erreichen, sondern auf einer freien Rückkehrbahn direkt zur Erde zurückfliegen, wie es Apollo 13 tat. Die beiden Weltraumtouristen sollen nicht die einzigen Interessenten gewesen sein. SpaceX will das Astronautentraining noch 2017 beginnen. Ob der straffe Zeitplan für die private Mondumrundung eingehalten werden kann, ist aber fraglich. Die nötige Technik ist bisher nicht geflogen, auch wenn sie sich seit Längerem in der Entwicklung befindet. Noch in diesem Jahr will SpaceX das Raumschiff Dragon V2 seinen unbemannten Erstflug absolvieren lassen. Nach der derzeitigen Planung soll die Kapsel allerdings erst im zweiten Quartal 2018 erstmals Menschen zur Internationalen Raumstation ISS befördern. Das Dragon-Raumschiff wäre für die Mondumrundung durchaus geeignet, wenn die Qualifizierung erfolgreich verläuft. Die Missionsdauer ist kurz genug, und der Hitzezschild der Raumschiffe wurde von Anfang an dafür ausgelegt, nicht nur den „langsamen“ Wiedereintritt nach Flügen zur ISS zu überstehen, sondern selbst die hohen Belastungen bei der Rückkehr von interplanetaren Missionen auszuhalten. Das gilt auch für Flüge um den Mond. Für noch längere Flüge ist die relativ kleine Kapsel von SpaceX allerdings nicht ausgelegt. Ohne Erweiterungen bietet das Raumschiff nur zehn Kubikmeter Volumen für Passagiere. Zwar bewies das Gemini-Programm der NASA in den 1960er Jahren, dass zwei Menschen fast zwei Wochen in einer Kapsel mit dem Volumen einer Duschkabine ausharren können, sonderlich bequem fanden das aber selbst die erfahrenen Testpiloten dieses Programms nicht. Mit dem vierfachen Volumen ist Dragon V2 fast luxuriös ausgestattet, dennoch wird es auf dem etwa sechs Tage dauernden Flug zum Mond und zurück recht eng werden. Dragon V2 hat aber eine Leermasse von etwa 6,4 Tonnen und führt rund eine Tonne Treibstoff mit. Dazu kommt noch die Masse der Astronauten und ihre Ausrüstung. Im Fall einer Fehlfunktion der Trägerrakete kann das Raumschiff seine acht Super-Draco-Triebwerke nutzen, um sich von der Rakete zu lösen und sicher zu landen. Sie bieten bei Problemen mit den Fallschirmen auch eine alternative Landemethode. RAUMSCHIFF UND RAKETE SIND BISHER NICHT GEFLOGEN Das größere Problem ist, das Dragon- Raumschiff überhaupt auf die Flugbahn zu bekommen. Die Falcon-9-Rakete von SpaceX hat zwar große Reserven für Starts von Raumkapseln zur ISS, aber auf eine höhere Flugbahn um den Mond könnte sie nur etwa vier Tonnen bringen. Trägerrakete für den Mondflug wird daher die Falcon Heavy sein. Sie verwendet die gleiche Technik wie die Falcon 9, erhält aber zwei Erststufen als Seitenbooster, um die Nutzlast zu erhöhen, ähnlich wie die Delta IV Heavy. Die Falcon Heavy hat etwa die halbe Startmasse der Mondrakete Saturn V, kann aber nur rund 13 Tonnen auf diese Flugbahn bringen – etwa ein Viertel der Nutzlast einer Saturn V. Der Grund dafür sind die kerosinbetriebenen Merlin- Triebwerke der Falcon Heavy. Sie sind viel effizienter als die F-1-Triebwerke der ersten Saturn-V-Stufe, aber sie erreichen nicht den spezifischen Impuls der wasserstoffbetriebenen J-2-Triebwerke in den oberen Stufen der Saturn V. Das begrenzt vor allem die Nutzlast bei solchen Missionen mit hohen Geschwindigkeitsanforderungen. Ohne die Notwendigkeit einer Landefähre und einer Raketenstufe Die Falcon Heavy von SpaceX soll die Dragon- Kapsel auf die Flugbahn zum Mond bringen. Die neue Schwerlastrakete soll im Sommer erstmals starten. Fotos: NASA, JPL, USGS, SpaceX, Montage Harald Hornig www.flugrevue.de FLUG REVUE Mai 2017 77

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