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FLUG REVUE 06/2015

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IATA-Satistik: Wie sicher ist fliegen? Bombardier unter Zeitdruck: Cseries im Flugtest Boeing 747-8: Neue Nachfrage für den Jumbo?

Militärluftfahrt

Militärluftfahrt Kampfhubschrauber A129 Mangusta Einsätzen in Krisengebieten zu finden. Deshalb müssen wir Gewohnheiten ablegen und flexibel auf neue Situationen reagieren. In unserem Training geht es darum, den Piloten die Afghanistan- Mentalität wieder abzugewöhnen und sie für neue Gefahren zu sensibilisieren.“ Die Crews der 48° Gruppo Squadroni „Pavoni“ können dabei seit kurzem auf eine neue Version der Mangusta zählen: Seit letztem Herbst liefert Agusta- Westland nämlich sukzessive die von den Heeresfliegern als AH-124D bezeichnete, neue Version des Kampfhubschraubers aus, der schon seit 1990 bei der AVES in Dienst steht. „Mit dem Schon die C-Version der A129 wurde mit einem Fünfblattrotor ausgerüstet. Als Triebwerk bleibt das Gem. Die von Oberstleutnant Giannini geführte 48° Gruppo Squadroni ist die Mangusta-Staffel des 7° Reggimento. Übergang von der Charlie- zur Delta- Version machen wir einen Generationensprung, der uns neue Möglichkeiten eröffnet“, ist Oberstleutnant Luca Giannini, Kommandeur der „Pavone“-Staffel, überzeugt. Zwar haben sich die Missionen nicht grundsätzlich geändert, aber dank der höheren Reichweite von Sensoren und Lenkwaffen „können wir nun das Gelände besser für die Deckung nutzen und uns aus dem Feuerbereich des Gegners heraushalten“. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Kräften wird einfacher. „Vor einem Angriff können wir zum Beispiel die Bilder empfangen, die eine Predator-Drohne liefert“, erläutert Giannini. Umge- Der Pilot sitzt hinten und hat noch konventionelle Instrumente. kehrt kann die AH-129D mit ihrem Laser Ziele für Präzisionsbomben beleuchten, die von Kampfjets abgeworfen werden. Dies wurde bei Versuchen auf Sardinien bereits geübt. „Mit dem neuen Toplite-III-System lässt sich eine brennende Zigarette auf acht Kilometer Distanz verfolgen“, schwärmt Giannini. Bis zu acht Rafael Spike ER können mitgeführt werden. Das Toplite-III-Sensorsystem von Rafael aus Israel gehört zu den wesentlichen Verbesserungen der AH-129D. Es ist in einem neuen, drehbaren Behälter in der Nase untergebracht, der einen Bereich von 360 Grad horizontal und +35/+85 Grad vertikal abdecken kann. Neben dem Wärmebildsensor (640 x 58 FLUG REVUE JUNI 2015 www.flugrevue.de

680 Pixel) bietet Toplite III eine normale Farbkamera, jeweils mit Fünffach- Zoom. Eingebaut sind zudem ein Multispektralsensor, ein Laser-Entfernungsmesser und ein Laser-Zielbeleuchter. Mit einem Lasersensor lassen sich beleuchtete Objekte verfolgen. Während bisher die Leistung ab etwa sechs bis sieben Kilometer deutlich abfiel, lassen sich nun Ziele noch auf 20 Kilometer Entfernung gut erkennen. Wie das Toplite III stammt auch die neue Spike-ER-Lenkwaffe von Rafael. Sie ersetzt die bisher verwendete Raytheon TOW und bietet mit rund acht Kilometern die doppelte Reichweite. Vor allem aber lässt sich die Spike sehr flexibel verwenden. Dank des in der Spitze eingebauten Sensors (Infrarot und Kamera) liefert sie über ein Glasfaserkabel Bilder des Ziels zurück zum Bordschützen. Dieser kann entscheiden, ob er die Steuerung selbst übernimmt, während eines mehrminütigen Flugs gelegentliche Updates vornimmt oder nur das Ziel vorgibt. Auch ein voll autonomer Flug ist möglich. Je nach Ziel kann der Anflug niedrig oder hoch erfolgen (zum Beispiel gegen Panzer). Besonders interessant ist es, die Spike aus der Deckung zu verschießen und erst im Laufe des Flugs das Ziel zuzuweisen. Damit die Crew der AH-129D das neue Waffensystem effektiv verwenden kann, wurde das vordere Cockpit der Mangusta komplett neu gestaltet. Im Zentrum des Instrumentenbretts ist nun ein großer Farbbildschirm eingebaut, der die Bilder der Spike oder des Hubschraubersensors anzeigt. Zwei Joysticks stehen für die Bedienung zur Verfügung, wobei blaue Schalter für die Sensoren und rote für die Waffen benutzt werden. „Das ist jetzt mehr wie ein Videospiel, einfach zu erlernen, aber schwierig, voll zu nutzen. Überhaupt dauert es seine Zeit, bis man die Systeme komplett versteht und intuitiv nutzen kann“, sagt Oberst Luca Falessi. Entsprechend legen die italienischen Heeresflieger viel Wert auf eine gründliche Ausbildung. In einem Trainingszentrum (Centro Formazione Equipaggi) werden die Crews von erfahrenen Piloten und Bordschützen ausgebildet. Für letztere gibt es einen OTSWS-Simulator (Observation, Targeting and Spike Weapons System), bei dem das vordere Cockpit genau nachgebaut ist. Verschiedene Szenarien lassen sich einspielen, wobei die Rolle des Piloten von einem Simulatortechniker übernommen wird, der an einer Bedienkonsole die Mission managt. Die Mangusta-Staffeln in Rimini und beim 5° Reggimento „Rigel“ in Casarsa della Delizia (49° Gruppo Squadroni ‚Capricorno‘) werden noch eine Weile mit der Einführung der D-Version beschäftigt sein. Brigadegeneral Antonio Bettelli, Kommandeur der Aviazione dell´Esercito, blickt derweil bereits ins nächste Jahrzehnt, in dem die Mangusta Daten AgustaWestland AH-129D Allgemeine Angaben Besatzung 2 Antrieb 2 x Rolls-Royce Gem 1004 Startleistung 657 kW Dauerleistung 615 kW Abmessungen Rumpflänge 12,27 m Länge über drehende Rotoren 14,29 m Höhe zum Hauptrotorkopf 3,35 m Spannweite 3,71 m Hauptrotor-Durchmesser 11,90 m Heckrotor-Durchmesser 2,32 m Massen Leermasse 2530 kg maximale Waffenzuladung 1200 kg Kraftstoff intern 750 kg maximale Startmasse 4600 kg Flugleistungen Höchstgeschwindigkeit 294 km/h Marschgeschwindigkeit 250 km/h maximale Steigrate 10,2 m/s Dienstgipfelhöhe 4725 m Schwebeflughöhe ohne Bodeneffekt 1500 m im Bodeneffekt 3140 m Reichweite 510 km Einsatzdauer 2 h 45 min Bewaffnung Die AH-129D verfügt über eine bewegliche 20-mm-Kanone im Bug. Dazu kommen bis zu acht Spike-ER-Lenkwaffen und Behälter für ungelenkte Raketen (je 7 oder 19). weiterhin die Speerspitze der AVES bilden wird. Weitere Verbesserungen sind bis dahin notwendig, wobei eine höhere Geschwindigkeit, eine längere Flugdauer, eine einfachere Bedienung und eine bessere Integration in die Führungssysteme auf der Wunschliste stehen. FR Hier die D-Version (vorn) in Formation mit einer AH-129C. Das Instrumentenbrett des Bordschützen wird nun von einem großen Farbbildschirm dominiert. Ein Simulator ermöglicht effizientes Training. Fotos: Gian Carlo Vecchi www.flugrevue.de FLUG REVUE JUNI 2015 59

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