Aufrufe
vor 2 Jahren

FLUG REVUE 06/2016

  • Text
  • Ila
  • Raumstation
  • Board
  • Jets
  • Airlines
  • Flug
  • Revue
  • Juni
  • Airbus
  • Boeing
  • April
  • Airlines
  • Luftwaffe
  • Millionen
  • Flugzeuge

Take-Off Übung Cold

Take-Off Übung Cold Blade 2016 Das Utti Jaeger Regiment war mit sieben NH90 bei der Übung dabei. Die Finnen haben viel Erfahrung mit dem Einsatz in Eis und Schnee. Hoch im Norden Finnlands liegt der Flugplatz Ivalo. Die finnischen Streitkräfte nutzen ihn regelmäßig für Manöver. Vom 7. bis 16. März stand hier „Cold Blade“ auf dem Programm, die inzwischen neunte Hubschrauberübung im Rahmen des Helicopter Exercise Programme der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA). Bisher liefen die Übungen unter dem Namen „Hot Blade“, „Italian Blade“ und „Green Blade“ im Süden Europas und in Belgien, aber „die Welt wird immer komplexer, die Gefahren für die Sicherheit immer unterschiedlicher, und so müssen wir uns auf den Einsatz unter vielfältigen Bedingungen vorbereiten“, erläuterte Andy Gray, der bei der EDA für die Drehflügleraktivitäten zuständig ist. Cold Blade 2016 mit seinem Übungsgebiet weit jenseits des Polarkreises ließ vor allem beißende Kälte, viel Schnee und schlechte Sicht erwarten – Bedingungen also, die für deutsche Hubschraubercrews nicht üblich sind. Ein zusätzliches Trainingselement bildete ein Überlebenskursus im tief verschneiten Nadelurwald Nordwest-Lapplands, an dem auch italienische Piloten teilnahmen. Obwohl 13 Länder zum Hubschrauberprogramm der EDA gehören, beteiligte sich diesmal neben den gastgebenden Finnen nur die deutsche Luftwaffe mit Helikoptern an der Übung. DIE CH-53GA WAR NOCH NICHT SCHNEE-ERPROBT Zuständig war die Lufttransportgruppe des Hubschraubergeschwaders 64 (LT- Grp HSG 64) aus Holzdorf, die sich mit zwei Sikorsky CH-53GA auf den Weg nach Norden machte. Die rund 2000 Kilometer lange Anreise nach Ivalo bewältigten die beiden deutschen Transporthelikopter mit sechs Zwischenlandungen via Ostsee und Schweden, wobei schlechtes Wetter einen längeren Zwangsstopp erforderte. Bereits dieser Überführungsflug stellte eine erste Herausforderung dar, denn die Version GA (German Advanced) war noch nicht „schnee-erprobt“, und die salzhaltige Ostseeluft machte eine sofortige Säuberung der Triebwerke nach der Ankunft in Ivalo erforderlich. Das 60-köpfige Bodenpersonal, darunter zwei militärische Wetterberater zur Radarbildauswertung und drei Frauen, folgte in einer C-160 Transall. Bereits zuvor waren fünf Tieflader mit Großgerät und neun Containern mit Ausrüstung in den hohen Norden aufgebrochen. Verlegepakete enthielten sämtliche Werkzeuge und die meistbenötigten Ersatzteile. Die Wartungsmannschaft musste normalerweise direkt auf dem Vorfeld arbeiten. Immerhin hatten die Finnen ein großes Zelt aufgebaut, das dank eines mobilen Heizgeräts auf knapp null Grad aufgeheizt werden konnte. „Das ist zwar immer noch sehr kalt, aber im Vergleich zur Außentemperatur schon viel angenehmer“, fand Technik-Feldwebel Sebastian Bo-chon, der erstmals an einer Übung dieser Art teilgenommen hatte. Aus seiner Sicht hatte die Kälte „fast keine Auswirkungen auf die Technik“. Ein zentraler Teil der Aufgabenliste des HSG 64 bestand in der Durchführung einer Evakuierungsoperation ausschließlich mit Eigenmitteln. Da die Version GA zum ersten Mal derartigen klimatischen Bedingungen ausgesetzt war, 20 FLUG REVUE Juni 2016 www.flugrevue.de

CH-53GA (Foto) und NH90 flogen während Cold Blade insgesamt 156 Trainingsmissionen. Ein NH90 des Utti Jaeger Regiment setzt Spezialkräfte in der unwirtlichen Landschaft ab. Blick aus der Kabinentür des NH90: Wo ist ein geeigneter Landeplatz? betraten Technik und Crews Neuland. „Wenn man auf Sicht fliegt, gibt es hier nur wenige Punkte, an denen wir Piloten uns orientieren können. Es sieht fast alles gleich aus“, erklärt Oberstleutnant Frank Wittemann, der deutsche Kontingentführer. Für das ungewohnte Navigieren verfügt die CH-53GA neben einem neuen Vier-Achsen-Autopilot über eine hochmoderne Navigationsausstattung. In dem völlig überarbeiteten Cockpit ist der frühere „Uhrenladen“ durch fünf große Multifunktionsdisplays ersetzt worden. Die anschließende Taktikausbildung der Piloten setzte sich aus Tiefstflug- und Nachtmissionen mit über 200 km/h bis herunter auf zehn Metern über dem Boden zusammen. Die Wärmebildkamera der CH-53GA und Restlichtverstärker- Brillen waren unverzichtbare Arbeitsmittel. Schneelandungen an ausgelegten Signalpunkten, das rechtzeitige Erkennen und Umfliegen der häufig auftretenden Eiswolken oder der Bordwaffeneinsatz im Schneegestöber bildeten für die Holzdorfer Crews bisher unbekannte Herausforderungen. Für das gastgebende Utti Jaeger Regiment des finnischen Heeres war das alles natürlich nichts Neues, und auch die NH90 des Verbandes verhielten sich unter diesen Bedingungen gut, zumal sie mit einer ausgezeichneten Enteisungsanlage bestückt sind. Auch in Finnland ließ die Verfügbarkeit des NH90 aber noch zu wünschen übrig, da derzeit ein Nachrüstprogramm läuft, um alle 20 Hubschrauber auf den aktuellen Stand zu bringen. Major Kimmo Nordberg, der gezielt auch den Leistungsvergleich mit seinen Gästen suchte, lobte die „typische deutsche Gründlichkeit“. Man könne vom Briefing viel lernen, was der Flugsicherheit zugutekäme. Das zeigte sich vor allem in der zweiten Woche der Übung, als NH90 und CH-53GA gemeinsam flogen, auch nachts. Oberstleutnant Wittemann, der als Fluglehrer große Erfahrung auf der CH-53GA hat, lobte die „komplett reibungslose“ Zusammenarbeit und die Professionalität seiner finnischen Fliegerkameraden bei Nachtflügen und Schneelandungen. Da habe man sich viel abschauen können. Einschließlich der Überführung brachten seine beiden Helis 75 Stunden auf die Flugschreiber. Viele Gemeinsamkeiten wurden zur beiderseitigen Überraschung bei der Befehlsgebung und Ablauforganisation festgestellt. Insgesamt wurden bei 156 Missionen rund 290 Flugstunden erreicht. Fazit: Der finnisch-deutsche Erfahrungsaustausch im Rahmen von Cold Blade 2016 darf als rundum gelungen verbucht werden. FR www.flugrevue.de FLUG REVUE Juni 2016 21

Kiosk

FLUG REVUE 07/2015
FLUG REVUE 06/2015
FLUG REVUE 05/2015
FLUG REVUE 04/2015
FLUG REVUE 03/2015
FLUG REVUE 02/2015
FLUG REVUE 01/2015
FLUG REVUE 12/2014

RSS-Feed

© Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG