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FLUG REVUE 07/2015

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Paris Air Show: Alles zur wichtigsten Luftfahrtmesse des Jahres Regierungsjets: So reisen die Mächtigen Gemanwings-Absturz: Neue Erkenntnise aus der Auswertung des Flugdatenrekprders

Zivilluftfahrt

Zivilluftfahrt BEA-Zwischenbericht zu 4U9525 Heimliche Übung Der Loral-F1000-Flugdatenschreiber von Flug 4U9525 sei zwar durch mechanische Einwirkungen und Hitze schwer beschädigt worden, aber seine Speicherkarte habe aus dem geschützten Modul entnommen und ausgewertet werden können, teilte die französische Untersuchungsbehörde BEA in ihrem im Mai erschienenen Zwischenbericht zum Germanwings- Unglück vom 24. März mit. Mit Hilfe der Dekodierungssoftware konnten 600 Parameter des Flugverlaufs ausgelesen werden. In der sichergestellten Datenmenge von 39 Megabyte befand sich auch eine Aufzeichnung der letzten 50 Minuten des Hinflugs von Düsseldorf nach Barcelona, die überraschende Informationen enthielt: Laut BEA zeigen die Daten, dass der Kapitän auf dem Hinflug um 7.19 Uhr die Cockpittür öffnete und das Cockpit verließ, so dass der Erste Offizier viereinhalb Minuten lang alleine im Cockpit zurückblieb. In dieser Zeit nahm er mehrfach auffällige Einstellungen am Schalter der Höhenvorwahl des Autopiloten vor, die sich nicht alleine mit navigatorischen Erfordernissen erklären lassen. So wurde die Zielhöhe, Der Zwischenbericht zum Germanwings-Unglück erhärtet den Verdacht, dass der psychisch kranke Erste Offizier den Absturz in die Berge bewusst herbeiführte. wie per Funk von der Flugsicherung angewiesen, nicht nur von 37 000 auf 35 000 Fuß verringert, sondern auch mehrfach völlig andere Zielhöhen eingestellt. Zwar wurde immer nur die Vorwahlraste betätigt, ohne dass der Autopilot diese Höhenvorgaben tatsächlich ansteuerte, verdächtig sind aber die gewählten Zielhöhen: 100 Fuß (30 Meter) – der einstellbare Minimalwert –, dann 49 000 Fuß (15 000 Meter) – der einstellbare Maximalwert –, dann 21 000 Fuß und nochmals mehrfach 100 Fuß. Als der Kapitän wieder zurückkehrte, stand die Höhenvorwahl wieder bei unverdächtigen 25 000 Fuß, also der angewiesenen Sinkhöhe. Damit scheint der Erste Offizier einen absichtlichen Sinkflug ins Gelände schon auf dem Hinflug nach Barcelona erwogen oder gar trainiert zu haben. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hatte schon am 27. März in einem „Safety Information Bulletin“ empfohlen, dass alle Flugzeugbetreiber die Risiken durch das Verlassen des Cockpits von einzelnen Mitgliedern der Besatzung neu bewerten sollen. Die EASA empfiehlt die ständige Anwesenheit von mindestens zwei befugten Besatzungsmitgliedern im Cockpit und bittet die nationalen Luftfahrtbehörden, diese Information weiterzuleiten. Unterdessen ließ die französische Unfalluntersuchungsbehörde BEA für die weitere Untersuchung am 12. Mai den Unglücksflug 4U9525 praktisch nachstellen. Dazu wurde ein Airbus A320 aus dem Bestand der Lufthansa- Gruppe verwendet. Der in Hamburg gestartete und nach Hamburg zurückgekehrte Flug habe jedoch nicht das Höhenprofil des Unglücksfluges nachgeahmt und auch keinerlei Absturz simuliert, sagte ein Sprecher der eben- 30 FLUG REVUE JULI 2015 www.flugrevue.de

(LBA) in Braunschweig künftig die kompletten flugmedizinischen Akten sämtlicher Piloten sammeln und auswerten solle, um daraus Hinweise auf mögliche ungemeldete psychische Erkrankungen zu gewinnen. Der Erste Offizier des Unglücksfluges hatte sich wegen psychischer Probleme in ärztlicher Behandlung befunden, die Schwere seiner akuten Erkrankung und eine deshalb erfolgte Krankschreibung für den Einsatztag aber regelwidrig seinem Arbeitgeber und den Behörden verschwiegen. Unklar ist noch, ob die ärztlich verschriebene Einnahme von Medikamenten dazu beigetragen haben könnte, den Ersten Offizier zu seinem verhängnisvollen Schritt zu bringen. Bei dem Absturz des technisch intakten Flugzeugs in den französischen Seealpen waren am 24. März alle 150 Insassen ums Leben gekommen. FR SEBASTIAN STEINKE Sinkflug bis zum Boden Die Grafik aus dem Zwischenbericht der BEA zeigt die an der Höhenvorwahl des Autopiloten direkt vor dem Absturz eingestellten Werte. Die grüne Linie zeigt die Zielhöhen, welche der Erste Offizier während einer kurzen Abwesenheit des Kapitäns eingegeben hatte. Mehrfach war kurz die einstellbare Minimalhöhe von 100 Fuß vorgewählt worden – auch die Maximalhöhe von 49 000 Fuß. Die blaue Linie zeigt die Flughöhe des Airbus A320, der sich, auf Anweisung der Flugsicherung, in einem leichten Sinkflug befand. falls beteiligten deutschen Unfalluntersuchungsbehörde BFU gegenüber der FLUG REVUE. Vielmehr sei es um die Überprüfung von Parametern gegangen, die auf dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder des Unglücksfluges auf gezeichnet worden seien. Gemeint sind in erster Linie Geräusche und Warntöne, die für die Unfalluntersuchung den vermuteten Handlungsab läufen zugeordnet werden müssen. Die Auswertung des Fluges, der unter der Hoheit der BEA stattfand, dauere noch an. Lufthansa-Chef Carsten Spohr, selbst Linienpilot, erklärte, die Airline erwäge, künftig Verdachtskontrollen ihrer Piloten im Hinblick auf nicht gemeldete Medikamenteneinnahme durchzuführen. Die vom Bundesverkehrsministerium eingerichtete nationale Task Force für Flugsicherheit empfahl laut Medienberichten, dass das Luftfahrt-Bundesamt Das Foto (links oben) zeigt die Unfallstelle in den französischen Seealpen in Flugrichtung. Die Stimmenund Datenrekorder konnten im oberen linken Tal geborgen werden. Die Behörden konnten diesen beschädigten Flugdatenschreiber des verunglückten Airbus auswerten. Fotos und Grafik: BEA www.flugrevue.de FLUG REVUE JULI 2015 31

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