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FLUG REVUE 07/2015

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Paris Air Show: Alles zur wichtigsten Luftfahrtmesse des Jahres Regierungsjets: So reisen die Mächtigen Gemanwings-Absturz: Neue Erkenntnise aus der Auswertung des Flugdatenrekprders

Paris Air Show-Extra

Paris Air Show-Extra Boeing modernisiert die 737-Produktion Automatisierungs Von SEBASTIAN STEINKE In zwei Wochen fangen wir mit dem Bau der ersten 737MAX-Holme an. Die Teile liegen schon bereit, und die erste MAX-Produktionslinie ist schon fast fertig“, sagt Boeing-Entwicklungsvorstand Scott Fancher bei einem Pressegespräch Mitte Mai im Verwaltungshauptquartier der Boeing-Zivilflugsparte in Longacres, nahe Seattle. „Wir sind zu 90 Prozent mit den Konstruktionsplänen durch. Vor Ende des Jahres rollt die erste 737MAX aus der Halle und im ersten Quartal 2016 startet sie zum Erstflug. Ab Mitte 2017 liefern wir sie aus. Wir liegen vor unserem Zeitplan.“ Die 737MAX werde bei der Indienststellung acht Prozent treibstoffeffizienter als ein Airbus Angesichts stark steigender Produktionsraten bei der 737-Familie setzt Boeing mit Baubeginn der nächsten Generation 737 MAX in großem Stil auf den Einsatz von Industrierobotern und automatischen Fertigungsanlagen. A320neo sein und 13 Prozent besser als eine Boeing 737NG, sagt Fancher und widerspricht Medienberichten, das MAX-Triebwerk LEAP-1B verbrauche zu viel Kerosin: „Diese Behauptungen sind unwahr. Das LEAP erfüllt alle Erwartungen. Es wird bei der Indienststellung eher noch bessere Leistungen bringen als bisher versprochen.“ Boeing erwartet bis 2033 für alle Hersteller einen Markt von 25 680 neuen Flugzeugen in der Standardrumpfgröße der 737. Das Unternehmen will mit der 737MAX daran einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen. 57 Kunden haben bereits 2724 „MAX“ fest bestellt. Die 737, Boeings Brot-und-Butter-Modell, wird nur in einem einzigen Werk gebaut: in Renton, nahe Seattle. RENTON BAUT WELTWEIT DIE MEISTEN PASSAGIERJETS „Wir machen hier in einem Werk, was der Wettbewerber bald in vier Werken 50 FLUG REVUE Paris Air Show-Extra 2015 www.flugrevue.de

Herzstück der neuen Anlagen sind die Bohr- und Nietroboter in der „Panel Assembly Line“. Im neuen, dreistöckigen Montagedock werden alle 737-Rümpfe mit Einbauten ausgestattet. schub produziert“, sagt Boeing-Fertigungsdirektor Marty Chamberlin bei einem Besuch der FLUG REVUE in der 737-Endmontage, Mitte Mai. Entsprechend wichtig ist hier der Produktionshochlauf. In Renton gibt es zwei Taktstraßen für die Endmontage der 737NG und eine so genannte „Surge Line“, auf der in der Anlaufphase die ersten 737 MAX gebaut werden können, ohne den schnellen Takt der benachbarten Serienfertigung zu stören. 42 Boeing 737 pro Monat werden in Renton gebaut, das ist Weltrekord bei Verkehrsflugzeugen. 47 Flugzeuge pro Monat werden es 2017 sein und 52 im Jahr 2018. Auch Überlegungen zu Produktionserhöhungen auf über 60 Flugzeuge im Monat vernimmt man bei Boeing. Technisch sind angeblich schon jetzt bis zu 63 Flugzeuge im Monat möglich. Damit das Werk, in dem noch 2003 erst 17 Flugzeuge pro Monat gebaut wurden, den enormen Produktionshochlauf verkraftet, beseitigt Boeing systematisch alle Flaschenhälse: Eine zusätzliche Lackierhalle, das stark vergrößerte Teilelager „Materials Marketplace“ in räumlicher Nähe zur Endmontagelinie und ein neues, hoch aufragendes, dreistöckiges Montagedock für die Rümpfe sind Teil dieser Verbesserungen. Außerdem befinden sich heute zu jedem Zeitpunkt weniger Flugzeuge als früher im nun durchgehend schneller laufenden Produktionsprozess, was die Kosten senkt. NEUES MONTAGEDOCK BIETET MEHR RAUM „Wir bringen die Flugzeuge zu den Arbeitern und nicht mehr die Arbeiter zu den Flugzeugen“, erklärt Marty Chamberlin das Produktionsprinzip. Parallel in Dreierreihen liegen die mit grünem Schutzlack versehenen, aus Wichita angelieferten Rümpfe hier im bühnenartigen Ausstattungsdock auf Rollen gelagert, um jede Nacht per „Pulse Line“ schubweise zur nächsten Station vorzurücken: Isoliermatten, Verkabelung, Steuerseile, Fahrwerksschacht. Drei Tage dauert jeder Durchlauf. Am vierten Tag hievt ein Deckenkran die fertigen Rümpfe zur Endmontageposition. Früher mussten die Boeing-Mitarbeiter sich bei der Rumpf ausstattung im engeren, zweistöckigen Montagedock auf Bürostühlen unter die niedrigen Rümpfe zwängen, um dort gebückt zu arbeiten. Heute sorgt der durch die zusätzliche Dock-Etage vergrößerte Raum für volle Stehhöhe und somit volle Arbeitskraft. Die Kapazität stieg um ein Drittel, so dass man nicht mehr im Dreischichtsystem arbeiten muss. Auf der untersten Dock-Ebene bestückt eine eigene Abteilung für jeden Arbeiter aufgabenspezifische große Drahtkörbe auf Rollen mit allen benötigten Werkzeugen und Verbrauchsmaterialien. Mehr Standardarbeit nach festen Abläufen, ohne Abweichungen, Unterbrechungen und Nacharbeiten, das Produzieren von weniger Ausschuss und ständige visuelle Kontrolle sind die Grundsätze des Herstellers Boeing für die „Lean-“ (schlanke) Fertigung in Renton. Durch Investitionen in neueste Technik sollen außerdem besonders monotone Arbeiten reduziert und Engpässe ent- Fotos: Boeing (1), Steinke www.flugrevue.de FLUG REVUE Paris Air Show-Extra 2015 51

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