Aufrufe
vor 2 Jahren

FLUG REVUE 08/2016

  • Text
  • Freeze
  • Berlin
  • Nulleins
  • Boing
  • E
  • X
  • Umweltsatelliten
  • August
  • Flug
  • Deutschland

Wirtschaft

Wirtschaft Militärflugzeuge auf der ILA Der Prototyp der Q01 hat im November mit den Flugtests begonnen. Dr. Reiner Stemme hat ein erfahrenes Team um sich geschart. Aufklärer für Katar Ganz im Stillen hat die Reiner Stemme Utility Air-Systems das von Katar finanzierte Überwachungsflugzeug Q01 entwickelt. In Schönefeld gab das bemannt und unbemannt einsetzbare MALE-System sein Airshow-Debüt. Nach seinem Ausscheiden aus der Stemme AG hat sich Dr. Reiner Stemme keineswegs aufs Altenteil zurückgezogen – ganz im Gegenteil gründete der 77-Jährige 2013 eine neue Firma, scharte ein neues Entwicklungsteam um sich und verwirklichte in Höchstgeschwindigkeit sein bislang größtes Flugzeug. Die Q01 verdankt ihre Entstehung dem Vertrauen, das die Luftstreitkräfte Katars dem erfahrenen Ingenieur entgegenbringen, denn sie finanzieren die Entwicklung komplett und haben im April auch einen Serienvertrag im Wert von 365,4 Millionen Katar-Riyal (88,7 Mio. Euro) unterzeichnet. 17 Flugzeuge werden benötigt. Die Spezifikation der Q01 ist entsprechend auf die Anforderungen Katars zugeschnitten. Das UAV-Komitee der Qatar Emiri Air Force unter General Khalid al-Kuwari sieht die Einsatzmöglichkeiten vor allem bei der Überwachung von Förderanlagen im Golf und von Pipelines. Auch Schmuggelrouten könnten aufgeklärt werden. Die Katarer haben aber den internationalen Markt für MALE-Systeme (mittlere Flughöhe, lange Einsatzdauer) nicht außer Acht gelassen. Die Reiner Stemme Utility Air Systems GmbH (RS-UAS) wurde mit dem Vertrieb für die auf flexible Einsatzmöglichkeiten im militärischen wie auch im zivilen Bereich getrimmte Maschine betraut. Das in Wildau bei Berlin ansässige Unternehmen hat dabei gute Argumente an der Hand, denn sowohl die Flugleistungen als auch die Ausrüstungsmöglichkeiten und die Betriebskosten (250 bis 300 Dollar pro Flugstunde) stellen manchen Konkurrenten in den Schatten. Ein besonderer Vorteil: Die Q01 kann bemannt und unbemannt eingesetzt werden. Bemannte Überführungsflüge ins Einsatzgebiet sind somit ohne komplizierte Genehmigungen machbar. Konzeptionell ist die Q01 ein groß geratener Motorsegler mit Tragflächen hoher Streckung (Gleitzahl 1:27), im Cockpit sind zwei Sitze nebeneinander installiert. Sie kommt auf Patrouille mit stark gedrosselter Leistung des effizienten, turboaufgeladenen Sechszylinder- Dieselmotors CD-300 von Continental Motors (Technify) aus Sankt Egidien aus. Dies schlägt sich in einer Flugdauer von rund 50 Stunde im unbemannten Betrieb mit reduzierter Nutzlast nieder. Bemannt kommt die Q01 mit einer Tankfüllung mehr als 2500 Kilometer weit. ERSTE LIEFERUNGEN WERDEN FÜR 2017 ANGEPEILT Für die Sensorausstattung hat die ganz aus Kohlefaser gebaute Zelle große Ausschnitte unten im Rumpf und auf dem Rumpfrücken (Satcom-Antenne). Im Bereich des Cockpits wird typischerweise ein EO/IR-Sensor aufgehängt, wie der von Katar gewählte MX-20 (hochauflö- 44 FLUG REVUE AUGUST 2016 www.flugrevue.de

Reiner Stemme Q01 – Daten Ein Schlüssel für die Leistungsfähigkeit der Q01 ist der CD-300- Dieselmotor von Technify. Er kann mit Jet A-1 betrieben werden. sende Kameras und HD-Wärmebildsensor im mittleren Wellenlängenbereich). Weiter hinten ist Platz für ein Radar wie das Searchmaster 4000 von Thales, das zur Erstausstattung gehören soll. Maximal beträgt die Nutzlast im Rumpf 600 Kilogramm. An vier Außenlastträgern unter den Tragflächen lassen sich Sensoren mitführen oder Zusatztanks. Vom Beginn der Konstruktionsarbeiten bis zum Erstflug der Q01 im vergangenen November in Cochstedt benötigte das Team von Reiner Stemme gerade einmal 18 Monate. Während der Rumpf in Wildau gebaut wurde, entstanden die dreiteilige Tragfläche und das T-Leitwerk bei WKK (Wytwórnia Konstrukcji Kompozytowych) im polnischen Jasienica. Bis zur ILA waren über ein Dutzend Flüge absolviert, wobei nun Schönhagen als Hauptbasis für die Erprobung dient. Neben der D-FQOI ist derzeit ein zweites Versuchsmuster im Bau, das im September fliegen soll. Es wird über einen Blitzschutz und ein Enteisungssystem verfügen. Ziel von RS-UAS ist es, Anfang 2017 die EASA-Zulassung nach CS-23 (IFR- Flüge mit einem Piloten) zu erreichen. Dann könnte die Produktion anlaufen Allgemeine Angaben Typ Überwachungsflugzeug für bemannten und unbemannten Betrieb Hersteller Reiner Stemme Utility Air-Systems GmbH, 15745 Wildau Besatzung 1 bis 2 Antrieb 1 Technify Dieselmotor CD-300 (Dreiliter-Sechszylinder) Leistung 221 kW (300 hp) Abmessungen Länge 10,73 m Höhe 3,33 m Spannweite 20,00 m Massen Leermasse 1700 kg max. Nutzlast Rumpf 600 kg Außenlast 360 kg max. Kraftstoff 500 kg max. Startmasse 2750 kg Flugleistungen Marschgeschwindigkeit 330 km/h Patrouillengeschwindigkeit 205 km/h Dienstgipfelöhe 9145 m Reichweite bemannt über 2500 km unbemannt 8335 km Flugdauer unbemannt bis zu 50 h Lastvielfache + 3,6/-1,44 g und die ersten Lieferungen an die Luftstreitkräfte Katars Ende 2017 erfolgen. Parallel dazu stehen die Arbeiten an der Entwicklung für den unbemannten Betrieb an. Das hochentwickelte automatische Flugkontrollsystem kommt dabei von Aviotech aus Stuttgart. FR KARL SCHWARZ Im Cockpit geht es noch spartanisch zu. Als Avionik wird ein Garmin G600 verwendet. Katar wählte für die Radarausstattung das Searchmaster 4000 des französischen Herstellers Thales. Fotos: Karl Schwarz, Gerhard Marzinzik (2) www.flugrevue.de FLUG REVUE AUGUST 2016 45

Kiosk

FLUG REVUE 07/2015
FLUG REVUE 06/2015
FLUG REVUE 05/2015
FLUG REVUE 04/2015
FLUG REVUE 03/2015
FLUG REVUE 02/2015
FLUG REVUE 01/2015
FLUG REVUE 12/2014

RSS-Feed

© Motor Presse Stuttgart GmbH & Co. KG