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FLUG REVUE 08/2016

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Raumfahrt

Raumfahrt Erdbeobachtungssatelliten Der jüngste Spross der Sentinel-Familie, Sentinel-1B, wurde am 25. April 2016 von Kourou aus mit einer Sojus-Rakete in den Orbit befördert. Aufnahmen von Sentinel-1A von November 2014 bis April 2016 zeigen Bodenhebung (blau) und -senkung (rot) im Nordosten der Niederlande. ne möglich, mit dem Start von Sentinel- 5P im Herbst dieses Jahres soll die Auflösung aber deutlich verbessert werden, sodass Vorhersagen sogar für einzelne Straßenzüge getroffen werden können. So kann man nicht nur Städter warnen, sondern auch überprüfen, ob entsprechende Grenzwerte eingehalten werden. Aber auch die langfristige Beobachtung verschiedenster Daten ist interessant, um Trends in der Klimaveränderung zu erkennen: So können die Satelliten auch die Bodenfeuchtigkeit sowie die dortigen Temperaturen sehr genau erfassen. Auch diese Werte verändern sich mit dem Klimawandel und können frühe Anzeichen sein, wenn sie über lange Zeit verglichen werden. Die beiden Sentinel- 1-Satelliten umkreisen die Erde an entgegengesetzten Punkten jeweils in etwas weniger als zwei Stunden. Da sich unter ihnen die Erde ebenfalls dreht, sind die Bahnen zueinander versetzt, sodass stets nach zwölf Tagen dasselbe Gebiet erneut überflogen wird. Die beiden Satelliten sind baugleich und liefern dieselben Daten – nur zeitversetzt: „So kriege ich alle sechs Tage die gesamte Erde abgebildet“, sagt Meisner. DIE DATEN STEHEN ALLEN FREI ZUR VERFÜGUNG Wichtig ist das auch für die Schifffahrt, da die Satelliten die Bewegungen von Eisbergen beobachten. In Kombination mit Daten von Wettersatelliten werden die Bedingungen für die Schifffahrt ebenso wie für die Luftfahrt berechnet. Eine noch essenziellere Bedeutung für das Leben auf der Erde haben die Vorhersagen für die Getreideernte: Viele Felder sind heutzutage so groß, dass man sie kaum vom Boden aus überblicken kann. Dazu kommen schwer zugängliche Gebiete – sei es aufgrund der geografischen Lage oder aufgrund von Krisen. Weil Satelliten dasselbe Gebiet immer wieder überfliegen, erkennen sie schon kleinste Veränderungen schnell: Sind die Pflanzen nicht gesund? Ist der Boden zu trocken? In Kombination mit den Daten von Wettersatelliten kann so eine genaue Prognose beispielsweise der Weizenernte erstellt und entsprechend vorgesorgt werden, falls es droht, knapp zu werden. Nicht zuletzt sind die Daten für die Stadtplanung interessant: Ist die Straße fertig geteert? Dank einer Auflösung von 82 FLUG REVUE AUGUST 2016 www.flugrevue.de

Bisherige und geplante Copernicus-Missionen Sentinel-1: Radarinstrumente. Schwerpunkt sind hochaufgelöste Bilder von Land- und Ozeanoberflächen. Der erste Satellit ist seit April 2014 im Orbit, der zweite seit April 2016. Sentinel-2: optisches Instrument mit 13 Spektralkanälen. Ziel sind hochaufgelöste Bilder der Land- und Ozeanoberflächen. Der erste Satellit ist im Juni 2015 gestartet, der Start von Sentinel- 2B ist für April 2017 geplant. Sentinel-3: verschiedene Instrumente, unter anderem ein optisches Instrument mit 21 Spektralkanälen und mittlerer Auflösung sowie ein Radiometer mit neun Spektralkanälen, die auch den Infrarotbereich abdecken. Der erste Satellit ist im Februar 2016 gestartet, der zweite soll Ende 2017 starten. Sentinel-4: Spektrometer im ultravioletten, sichtbaren und nah-infraroten Bereich. Ziel ist die kontinuierliche Überwachung von Spurengasen in der Atmosphäre. Die Instrumente werden auf Meteosat-Satelliten platziert und sollen 2021 starten. Sentinel-1B vor dem Start auf der Fregat-Oberstufe der Sojus. Sentinel-5: Spektrometer im ultravioletten, sichtbaren und nah- und kurzwelligen Infrarot- Bereich. Ziel ist die globale Überwachung von Spurengasen und Aerosolen in der Atmosphäre. Die Instrumente werden auf Meteosat-Satelliten platziert und sollen 2020 starten. Sentinel-5 Precursor: ein eigenständiger Satellit, der die Überwachung von Spurengasen mit ähnlichen Instrumenten schon vor dem Start von Sentinel-5 ermöglicht. Der Start ist für Ende 2016 geplant. Sentinel-6: Der Satellitenaltimeter im polaren Orbit ermöglicht die tidenfreie Messung des Meeresspiegels. Der Start ist für Ende 2020 geplant. Fotos: ESA, modified Copernicus Sentinel data (2014-16) einem Meter pro Pixel kann man das tatsächlich vom Orbit aus beurteilen. Was auf den ersten Blick absurd klingt – eine Straße kann man schließlich auch mit dem Auto erreichen –, hat ernste Hintergründe: Die EU fördert Straßenbau in der Ukraine, die Weltbank hat Infrastrukturprojekte auf der ganzen Welt. Da ist es einfacher und kostengünstiger, via Satellit zu schauen, ob diese so voranschreiten wie vereinbart, als jemanden auf Weltreise zu schicken. Satellitendaten können auch auf Mineralienvorkommen hinweisen. Aus der Geologie des Untergrundes kann man Rückschlüsse auf mögliche Vorkommen ziehen. Das spart teure Reisen von Exper ten, die nun entsprechende seismische Untersuchungen nur noch aufgrund eines begründeten Verdachts machen. Das alles ist einleuchtend. Nur wieso braucht Europa überhaupt ein eigenes, derart umfangreiches Umweltsatellitenprogramm? Kann man nicht auf die Daten anderer Länder zurückgreifen? Robert Meisners Antwort ist denkbar einfach: weil es einzigartig ist! „Es ist das umfangreichste Erdbeobachtungsprogramm der Welt.“ Lediglich der US-amerikanische Landsat-Satellit sei vergleichbar mit Sentinel-2, „aber das ist nur einer“. Auch die Menge an Daten, die frei für alle zur Verfügung gestellt werden, ist weltweit einzigartig. „Das ist auch ein Input für die Wirtschaft und die Forschung“, sagt Meisner. Wer das Gefühl hat, vom Stichwort „Copernicus“ schon ein halbes Leben lang begleitet zu werden, lange ohne davon etwas Neues gehört zu haben, liegt übrigens gar nicht so falsch: „1997 wurde die Idee bei einem Treffen am Lago Maggiore geboren“, erinnert sich Meisner. Was hat seither so lange gedauert? „Im Jahr zwei Satelliten ins All zu schicken, von denen jeder mehrere Millionen kostet, das ist einfach ein langer Weg.“ Man könnte sagen: Was lange währt, wird endlich gut. Und das passt auch ein bisschen zur Natur der Umweltsatelliten: Sie sind nur mit bewährter Technologie unterwegs und vor allem auf zuverlässige Ergebnisse und eine lange Haltbarkeit ausgelegt – im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Satelliten wie Cryosat, die hauptsächlich Neues ausprobieren. So soll Cryosat die Dicke des Polareises messen. Bisher wird lediglich die Ausbreitung bestimmt, wobei das Volumen natürlich viel aussagekräftiger ist. „Wir testen ein neues Verfahren und wollen rausbekommen, ob das überhaupt geht“, sagt Meisner. Bei den Umweltsatelliten hingegen weiß man, was man hat. FR EVA WOLFANGEL Das erste Bild von Sentinel-1B zeigt das Spitzbergen-Archipel (links). Envisat ist der Vorläufer der Sentinel- Satelliten. Er war bis 2012 in Betrieb. www.flugrevue.de FLUG REVUE AUGUST 2016 83

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