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FLUG REVUE 09/2016

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Wirtschaft Farnborough

Wirtschaft Farnborough Airshow 2016 Über der bei den Messebesuchern wegen ihrer Aussicht legendären Kneipe „The Swan“ schwebt die A380 zur Landung ein. Fliegende Premieren und fette Aufträge. Es hätte eine genüssliche Farnborough-Airshow wie immer werden können. Doch Airbus gab hier auch eine schlechte Nachricht bekannt, die gleich das Flaggschiff der Europäer betrifft. Sie wurde verschämt in einen späten Nachmittag mit vorherigen Auftragsbekanntgaben versteckt: Die A380- Produktionsrate wird stark gesenkt. Schon ab 2018 werden nur noch zwölf Flugzeuge pro Jahr gebaut. Gegenüber der Rate von 27 Exemplaren im vergangenen Jahr entspricht dies mehr als einer Halbierung. Grund sei der ausbleibende Auftragseingang. Von den bisher 319 bestellten A380 sind 193 Flugzeuge ausgeliefert worden. Mit der Ratenreduzierung dürfte die reine A380-Fertigung (ohne Anlaufkosten) auch wieder in die Hoffen und Bangen im Flugzeugbau Trotz guter Auftragslage gab es in Farnborough bei Airbus und Boeing auch nachdenkliche Töne. Die größten Flugzeuge machen jeweils die größten Sorgen. Große Bildschirme und ein Head-up Guidance System in der 737 MAX 8. roten Zahlen abrutschen. 2017 soll die A380 mit 20 Flugzeugen gerade noch im schwarzen Bereich gehalten werden. Auch Boeing produziert mit nur noch 0,5 Jumbos pro Monat weiterhin eine ungesund niedrige Zahl. Nicht einmal ein in Farnborough bestätigter Großauftrag für 20 Boeing 747-8F von Air Bridge Cargo bringt die Rate wieder nach oben. BOEING UND AIRBUS: DER MARKT WÄCHST STABIL Bei den langfristigen Marktprognosen dagegen sind sich beide Hersteller einig, dass Wachstum und Nachfrage stabil bleiben. Airbus rechnet für die nächsten 20 Jahre mit einem Absatzmarkt für 33 000 neue Verkehrsflugzeuge mit über 100 Sitzen, darunter 1480 in A380-Größe. Der Markt wachse durchschnittlich mit 4,5 Prozent pro Jahr und verdoppele sich von heute 19 500 bis 2035 auf 40 000 Verkehrsflugzeuge. China führe mit 3,7 Prozent im Jahr das Wachstum an. Boeing prognostiziert für die nächsten 20 Jahre sogar einen Bedarf von 39 620 neuen Verkehrsflugzeugen – darunter allerdings nur 530 Stück mit über 400 Sitzen – und ein Marktwachstum von 4,8 Prozent. Die Nachfrage komme eindeutig aus dem Bereich der Standardrumpfflugzeuge, insbesondere von chinesischen Inlandsfluggesellschaften. 50 FLUG REVUE SEPTEMBER 2016 www.flugrevue.de

Im 30. Jahr ihres Bestehens bestellte die Germania Group in Farnborough 25 Airbus A320neo mit den neuesten Getriebefan-Triebwerken von Pratt & Whitney. Zum Thema Standardrumpffamilie, namentlich 737 MAX, gab es bei Boeing Neuigkeiten in Farnborough. Einerseits zeigte der Hersteller seine neueste 737 MAX 8 am Boden und im Flugprogramm, andererseits verkündete er eine leichte Verlängerung der 737 MAX 7. Während Boeing das obere Segment des Standardrumpfmarktes der Airbus-Konkurrenz mit der A321neo zu überlassen scheint, kümmern sich die Amerikaner verstärkt um die „Mitte des Marktes“, die sie im Standardrumpfbereich in den nächsten 20 Jahren bei 175 Passagiersitzen ansetzen. Nach der in Paris angekündigten Verdichtung der 737 MAX 8 zur 737 MAX 200 mit 200 Passagiersitzen bei Einklassenbestuhlung wurde nun in Farnborough ein Stretch der 737 MAX 7 um 1,93 Meter Rumpflänge für 12 zusätzliche Sitze und insgesamt 172 Passagiere bekannt gegeben. Neu ist, dass die Mittelsektion der künftigen 737 MAX 7 von ihrer schwereren Schwester MAX 8 übernommen wird. Die maximale Startmasse der MAX 7 steigt auf 177 Tonnen, Reserven gibt es auch noch für zusätzlichen Kraftstoff an Bord. Unterdessen war die A320neo auf der Messe nicht zu sehen. Airbus will derzeit mit Hochdruck die überarbeiteten Getriebefans auslieferungsreif machen. Dazu reisten schon mehrfach modifizierte Flugzeuge zu Hitzetests nach Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe war die damit ausgestattete dritte A320neo für Lufthansa allerdings in Hamburg noch immer nicht übergeben worden. Dem Vertrauen der Kunden hat die Verspätung offenbar nicht geschadet: Germania bestellte in Farnborough 25 Airbus A320neo. Selbst Akbar Al Baker, Chef von Qatar Airways, sagte auf der Messe gegenüber der FLUG REVUE versöhnlich, er habe bisher lediglich seine erste A320neo abbestellt und warte die weitere Entwicklung ab. Allerdings besuchte Al Baker auch die auf dem Vorfeld ausgestellte neo- Konkurrentin Boeing 737 MAX 8. Mit DHL als Kunde der ersten vier Flugzeuge stellten die Elbe Flugzeugwerke aus Dresden (EFW) eine neue Umbaufrachter-Version des Airbus A330 vor. Nach dem Umbaufrachter A330- 200P2F für Egypt Air Cargo leiten die Sachsen gemeinsam mit ST Aerospace nun auch von der längeren A330-300 eine „P2F“-Version für 61 Tonnen Nutzlast ab. Den ungewöhnlichsten Messeauftrag ergatterte Lockheed Martin: Die brasilianische Bravo Industries orderte mit US- Geld zehn LM-100J. Die zivile Version der militärischen Hercules dient der Versorgung entlegener Gebiete. Lockheed Martin hofft auf einen Absatzmarkt für bis zu 100 zivile LM-100J. FR SEBASTIAN STEINKE Fotos: Airbus (2), EFW, Lockheed Martin, Steinke Bravo Industries orderte bei Lockheed zehn zivile „Super Hercules“ der Version LM-100J als robuste Frachter zur Versorgung entlegener Regionen Brasiliens. DHL bestellte vier A330-300P2F- Umbaufrachter bei EFW in Dresden. www.flugrevue.de FLUG REVUE SEPTEMBER 2016 51

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