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FLUG REVUE 09/2016

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Wirtschaft Farnborough

Wirtschaft Farnborough Airshow 2016 Die P-8A zeigte in Farnborough ihren Waffenschacht und Harpoon-Lenkwaffen. Briten auf Einkaufstour Die britischen Militärs sind derzeit im Kaufrausch. In Farnborough wurde die Beschaffung von neuen Apaches, der P-8A und des Predator B bestätigt. Den Plan für „eine stärkere und bessere Verteidigung“, untermauert durch ein „in diesem Jahrzehnt jedes Jahr steigendes Budget“, hat die britische Regierung auch in den Wirren des Brexit nicht aus den Augen verloren. Verteidigungsminister Michael Fallon, der sein Amt unter Theresa May behalten hat, verkündete jedenfalls zum Auftakt der Farnborough Airshow Geschäfte mit Boeing, die langfristig einen Wert von 5,6 Milliarden Euro haben. So wurde der erwartete Kauf des Seefernaufklärers Poseidon bestätigt, um die seit Jahren bestehende Fähigkeitslücke nach der Ausmusterung der Nimrod MR2 zu schließen. Neun P-8A sollen im schottischen Lossiemouth stationiert werden. Laut Verteidigungsminister Fallon spielen sie über ihre Aufgaben bei der U-Boot-Jagd und beim SAR- Einsatz hinaus eine entscheidende Rolle beim Schutz der Atom-U-Boote des Landes und der beiden neuen Flugzeugträger der „Queen Elizabeth“-Klasse. Erworben werden die P-8A von der US-Regierung über einen Foreign-Military-Sales-Deal. Die Kosten für den Wiederaufbau der britische MPA- (Maritime Patrol Aircraft-)Fähigkeit – darunter fallen auch die Ausbildung der Crews, der Aufbau der Infrastruktur und die notwendige Unterstützung bei der Royal Air Force –, werden über ein Jahrzehnt lang rund drei Milliarden Pfund (3,6 Mrd. Euro) betragen, so Fallon. Das Verteidigungsministerium in London sieht in der P-8A eine zeitgerecht lieferbare, erprobte Lösung. Darüber hinaus profitiert die RAF von der engen Zusammenarbeit mit einigen der wichtigsten Verbündeten Großbritanniens, einschließlich der US Navy und der Royal Australian Air Force. Um eine Erfahrungsbasis im Bereich Seeüberwachung zu behalten, sind unter anderem elf Piloten und Spezialisten zur US Navy abgeordnet. Dort sind sie bei der Staffel VP-30 in Jacksonville, Florida, bereits in den Betrieb der P-8A eingebunden. NEUE KAMPFHUBSCHRAUBER AB 2020 VERFÜGBAR Die Beschaffung der P-8A wurde seit der ersten Ankündigung in weniger als neun Monaten finalisiert. Dies sei ein „großer Beweis für die Agilität, Professionalität und den Tatendrang“ der Beschaffungsorganisation, so das Ministerium. Die ersten beiden P-8A sollen ab April 2019 in Großbritannien ankommen. Drei folgen 2020 und die restlichen vier 2021. Die konkreten Bestellungen werden in die jeweiligen jährlichen Aufträge der US Navy integriert. Die ersten neuen AH-64E von der US-Produktionslinie in Mesa sollen im Frühjahr 2020 für die RAF verfügbar sein. Auch der Kauf der 50 Kampfhubschrauber wird über ein Foreign-Military-Sales-Programm abgewickelt, sodass Leonardo (AgustaWestland) nicht die Endmontage übernimmt. Zeitweise war im Gespräch gewesen, die vorhandenen Apaches durch ein tiefgreifendes Modernisierungsprogramm zu schleusen. Die neue Apache-Flotte wird vom Joint Helicopter Command eingesetzt. Sie sollen die Überlegenheit im Einsatz sichern. Laut Verteidigungsminister Michael Fallon wird „dieser Deal der britischen Armee einen hervorragenden Hubschrauber mit einem guten Preis- Leistungs-Verhältnis“ bringen. Die neuen Apaches werden eine andere Bewaffnung erhalten. Deshalb erteilte das Verteidigungsministerium im September 2015 zum Beispiel einen Auftrag, die Eignung der MBDA-Lenkwaffe Brimstone für den Einsatz von dem Kampfhubschrauber aus zu prüfen. In den letzten Monaten wurden entspre- 52 FLUG REVUE SEPTEMBER 2016 www.flugrevue.de

Britische AH-64E Apache sollen die Brimstone von MBDA erhalten. Schon vorab wurden in den USA erste Schussversuche durchgeführt. chend umfangreiche Integrations- und Funktionsversuche durchgeführt, wobei Boeing im Werk Mesa, Arizona, auf eine von der US Army geleaste AH-64E zurückgriff. Bei Flugversuchen über dem Testgelände in Yuma wurde mit instrumentierten Flugkörpern eine Reihe von gelenkten Schüssen durchgeführt. Geprüft wurden der Laser- und der Millimeterwellen-Suchkopf der Brimstone in verschiedenen Betriebsarten. Die Schüsse wurden sowohl im Vorwärts- als auch im Schwebeflug und bei relativ aggressiven Manövern des Hubschraubers durchgeführt. Ziele waren Kampfpanzer und Geländewagen. Angesichts des Kaufs der neuen Ausrüstung direkt in den USA versucht das Verteidigungsministerium, die einheimische Industrie zumindest bei der langfristigen Betreuung einzubinden. Die vorgeschlagenen Regelungen für diese Dienste sollen im Fall des Apache im Laufe des nächsten Jahres diskutiert werden, Verträge wären gegen Ende des Jahrzehnts zu erwarten. Boeing hat versprochen, durch zusätzliche Unteraufträge und den Aufbau von Wartungseinrichtungen für bis zu 2000 zusätzliche Jobs in Großbritannien zu sorgen. Neben den beiden Großprogrammen wurde im Rahmen der Farnborough Airshow auch die Wahl des sogenannten Certifiable Predator B (CPB) für das Protector-Programm der RAF noch einmal bestätigt. Die neue Version des unbemannten Aufklärers soll Ende 2016 zum Erstflug starten. Sie ist mit Systemen ausgerüstet, mit denen das Flug- gerät den NATO-Anforderungen (STA- NAG 4671) entspricht und so möglicherweise irgendwann auch im normalen Luftraum operieren kann. Das Protector-Programm hat einen Umfang von voraussichtlich 415 Millionen Pfund (495 Mio. Euro). Dafür sollen „über 20“ UAV beschafft werden, um die gegenwärtige Flotte von zehn MQ-9 Reaper abzulösen. Die Lieferungen werden sich über einen Zeitraum von 2018 bis 2030 erstrecken. FR KARL SCHWARZ Diamond zeigt Turboprop-Trainer Der DART-450 ist in der Klasse der PC-7 angesiedelt. Zu den Debütanten in Farnborough gehörte auch der DART-450 – der Diamond Aircraft Reconnaissance Trainer, der erst am 17. Mai seinen Erstflug in Wiener Neustadt absolviert hat. Das neue Modell, mit dem der für seine Ein- und Zweimots bekannte Hersteller in einen „der sich am schnellsten entwickelnden Märkte weltweit“ einsteigt, wurde firmentypisch in weniger als zwei Jahren realisiert. Auch die Flugerprobung für die EASA-Zulassung wird schnell vorangetrieben: Bis zum Messeauftritt war der erste Prototyp rund 90 Stunden in der Luft. Der DART-450 ist in der Kategorie der PC-7 angesiedelt. Die beiden Besatzungsmitglieder sitzen auf russischen Leicht-Schleudersitzen von Swesda und steuern die Maschine via Sidestick. Als Avioniklieferant fungiert Garmin. Das Triebwerk AI-450 mit 370 Kilowatt Leistung kommt von Iwtschenko-Progress. Das ganz aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen gefertigte Flugzeug bietet laut Hersteller eine Höchstgeschwindigkeit von 426 km/h und Steigraten von 12,7 m/s. Bei einer Abflugmasse von 1785 Kilogramm sind Manöver mit Lastvielfachen von + 7 bis - 4 g möglich. In der Rolle als Beobachtungsflugzeug liegt die maximale Abflugmasse bei 2300 Kilogramm. Die Flugdauer mit 835 Litern Kraftstoff soll dann über acht Stunden betragen. Mit diesen Daten soll der DART-450 in allen Bereichen besser sein als die Konkurrenz, so Firmenchef Christian Dries, der den Basispreis des Trainers auf 3,2 Millionen Dollar (2,9 Mio. Euro) veranschlagt. Zu Angaben über mögliche Kunden hielt man sich bei Diamond Aircraft noch bedeckt. Angeblich gibt es bereits mindestens einen Käufer. FR KARL SCHWARZ Fotos: K. Schwarz, Boeing, Aviation-Images/Mark Wagner www.flugrevue.de FLUG REVUE SEPTEMBER 2016 53

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