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FLUG REVUE 10/2015

Take-Off Royal

Take-Off Royal International Air Tattoo Exotische Gäste: Zwei japanische Kawasaki P-1 machten auf dem Weg nach Dschibuti in Fairford Station. Das hatten selbst langjährige Flugtagbesucher noch nicht gesehen: Flight Lieutenant Ben Westoby- Brooks im Eurofighter Typhoon und Flt Lt Anthony Parkinson in der Supermarine Spitfire Mk IIa beließen es nicht bei einigen Vorbeiflügen in Formation, sondern zeigten die beiden so unterschiedlichen Jäger im Stile eines „Synchro Pair“ mit engen, entgegengesetzten Kreisen und knappen Begegnungen im Zentrum der Vorführlinie. „Wir wollten dieses Jahr etwas Besonderes machen, um an den 75. Jahrestag des Battle of Britain zu erinnern, und ich bin so glücklich, dass wir eine so großartige Reaktion von allen bekommen haben, die die Vorführung bisher sahen”, bedankte sich Westoby- Brooks für die verdiente Auszeichnung mit dem „Steedman Display Sword“. Auch die zweite große Show zur Erinnerung an die Luftschlacht um England wurde mit einer Auszeichnung bedacht. Das „King Hussein Memorial Sword“ ging an die Piloten der neun Spitfires, sechs Hurricanes, einer Bf 109 und einer Buchón und die erst seit November 2014 nach elf Jahren wieder fliegende Bristol Blenheim. Sie erinnerten in wechselnden Formationen und simulierten Verfolgungsjagden an die erbitterten Luftkämpfe im Sommer 1940. Die beeindruckende Warbird-Flotte setzte sich aus Flugzeugen des RAF Memorial Flight und von zivilen Eignern zusammen. Ein Höhepunkt neben der Erinnerung an die legendäre Abwehrschlacht gegen die deutsche Luftwaffe war die Vorführung der Avro Vulcan, die zum Ende der Saison nun endgültig abgestellt werden soll. Besonders am Samstag zeigte Kev Rumens ein Programm, das selbst hartgesottenen Zuschauern den Atem stocken ließ – vor allem der Break direkt nach dem Abheben zeigte die verblüffende Wendigkeit des mächtigen V-Bombers, der künftig im Zentrum eines Erinnerungs- und Ausbildungszentrums auf dem Robin Hood Airport (Doncaster) stehen wird. Auch der Rest des an beiden Tagen jeweils über achtstündigen Flugprogramms bot durchweg Topqualität. Die Experten konnten lange darüber diskutieren, ob nun die F-16-Demo der Belgier besser war als das Solo-Display des britischen Eurofighters oder die F-16 der Griechen. Die Jury entschied sich jedenfalls für das Programm der finnischen F/A-18C Hornet: Hauptmann Ville Uggeldahl erhielt die „Paul Bowen Trophy“ für die beste Solo-Jetvorführung. Leider nicht in diese Kategorie passt das Ramex- Delta-Team der Armée de l´Air (Escadron de Chasse 2/4) mit seinen beiden Mirage 2000N, die bei ihrem ersten Auftritt beim Air Tattoo ebenfalls eine starke Vorstellung boten. AUSZEICHNUNG FÜR BO-105-VORFÜHRUNG Am anderen Ende des Lärmspektrums konnte sich Hauptmann Torsten Möbius, Fluglehrer beim Ausbildungszentrum C der deutschen Heeresflieger in Celle, freuen. Er hatte die nach wie vor verblüffenden „Kunstflug“-Fähigkeiten seiner Bo 105 brillant genutzt und dafür die „Sir Douglas Bader Trophy“ erhalten. 20 FLUG REVUE OKTOBER 2015 www.flugrevue.de

⎜ ⎜ Tornados aus Deutschland, Italien und Großbritannien flogen in Formation. Kunstflug vom Feinsten bot Hauptmann Torsten Möbius von den Heeresfliegern mit der Bo 105. An das längst aufgelöste Tri-National Tornado Training Establishment erinnerte die spezielle Dekoration an drei Flugzeugleitwerken, die es nur in Fairford zu sehen gab. Das Ramex-Delta-Team der Armée de l´Air nutzte die Fähigkeiten der Mirage 2000N für eine Top-Vorführung. Zwei A-10C der 354th FS machten während ihrer Verlegung nach Europa einen Abstecher zum Air Tattoo. „Ich bin überrascht! Ich bin zum erstesn- Mal in Fairford, und der Gewinn des Preises ist toll“, war Möbius bei der abschließenden Hangarparty am Sonntagabend begeistert. Neben der kleinen Bo 105 boten auch andere Drehflügler eine tolle Show. Während die britische Chinook HC4 mit ihrer Wendigkeit glänzte, zeigten zwei Apache des Army Air Corps eine beeindruckende Einsatzdemonstration – im Stil von US-Airshows unterstützt von Detonationen am Boden. Viel Interesse fand auch die Vorstellung der CV-22B Osprey. Die Version des Kipprotorflugzeugs der US Air Force war erstmals auf einer britischen Airshow in der Luft zu sehen. Stationiert sind die Ospreys der 7th Special Operations Squadron seit Juni 2013 in Mildenhall, sodass die 200 Kilometer Anflug für die Vorführmaschine ein Katzensprung waren. Eine deutlich längere Anreise hatte ein anderer Star des diesjährigen Air Tattoo. Die beiden Kawasaki P-1 der japanischen See-Selbstverteidigungskräfte kamen aus Atsugi und hatten im Rahmen ihrer Welttour den Weg über die USA gewählt – sie waren somit wohl die ersten japanischen Militärjets, die den Atlantik überquerten. Einer der vierstrahligen Seefernaufklärer war auch im Flugprogramm zu sehen – eine Premiere, die Eindruck machte. Der Besuch der P-1 in Fairford kommt nicht von ungefähr: Großbritannien fehlt nach der Ausmusterung der Nimrod ein U-Boot-Jäger, und um diese Lücke zu schließen, könnte es in Zukunft eine Ausschreibung geben. Auch andere Firmen nutzten das Air Tattoo zur Präsentation ihrer Produkte. Textron Aviation hatte zum Beispiel seinen leichten Kampfjet Scorpion und die neuerdings als Wolverine bezeichnete bewaffnete Version des T-6-Trainers da- www.flugrevue.de FLUG REVUE OKTOBER 2015 21

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