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FLUG REVUE 11/2016

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Technik Umbau bei

Technik Umbau bei Lufthansa Technik In Spitzenzeiten sind rund 60 Mitarbeiter pro Schicht an der A310 tätig. kumentation aus dem Jahr 1992 ist nicht so, wie wir es von heute kennen“, sagt Steinbeck. Die Bauvorschriften haben sich geändert, teilweise sind die Notizen handschriftlich und unleserlich. Hilfreich ist es da, dass alte Kollegen aktiviert werden können, die damals am Umbau beteiligt waren. Rund 30 Mitarbeiter aus dem Design-Engineering- Team arbeiten an dem Projekt. Unterstützt werden sie von den Elbe Flugzeugwerken in Dresden, die beim Umbau der A310 zum Kanzlerflugzeug dabei waren. Während Steinbeck noch die Modifikationen mit dem Original abgleicht, wird die Kabineneinrichtung bis auf Bordküchen und -toiletten ausgebaut. Die geschichtsträchtigen Möbel gehören Novespace und sind momentan in Hamburg eingelagert. Sie sollen aber als Ausstellungsstücke erhalten bleiben. Am Ende von Steinbecks Bestandsaufnahme bleiben noch 120 größere Modifikationen, die rückgerüstet und verändert werden, darunter die Klimaanlage, das Vakuumsystem und einige Strukturbauteile. Die A310 wird bis auf die tragenden Strukturen auseinandergenommen, untersucht, Teile werden wo nötig repariert oder erneuert und getestet. Am Ende wird der ehemalige Regierungsflieger nach den Richtlinien für Zivilflugzeuge wieder zusammengesetzt. SCHAUMSTOFFMATTEN ZUM SCHUTZ VOR VERLETZUNGEN Danach beginnt für Lufthansa Technik der einfachere Teil des Projekts: die Neuausstattung der Kabine des künftigen Parabelflugzeugs. Die 20 Meter lange Test Area wird an den Seiten und am Boden mit Schaumstoffmatten ausgelegt, damit sich angehende Astronauten und Wissenschaftler bei den bis zu 22 Sekunden dauernden Phasen der Schwerelosigkeit nicht verletzen. „Die Matten sind mit Kunstleder überzogen – und daher leicht zu reinigen“, sagt Steinbeck und grinst. Auch die Decke ist mit 40 Millimeter dickem Schaum gepolstert, zwei Gurte ermöglichen sicheren Halt. Zudem wird auf einer Höhe von 1,4 Metern eine Stange in der Flugzeugstruktur ver- A310 Zero-G Technische Daten Länge 46,43 m Höhe 15,80 m Spannweite 43,90 m Rumpfdurchmesser 5,64 m Gewicht 157 t Triebwerke 2 General Electric CF6-80 Test Area 100 m 2 (20 x 5 m) maximale Deckenhöhe 2,25 m elektrische Versorgung 23 kW, 220 V bei 50 Hz Für besondere Experimente wird eines der Fenster des Parabelflugzeugs durch ein Ventil (Mitte) ersetzt. Die Seitenwände, der Fußboden und die Decke erhalten eine Polsterung aus weichen Kunstledermatten.

Rund neun Monate dauert die Verwandlung vom Kanzlerjet zum Zero-G-Flugzeug. ankert. Große Netze schließen die Experimentierzone vorne und hinten ab. Da die Fenster in der Test Area abgedunkelt sind, sorgen leistungsstarke LEDs für eine gute Ausleuchtung der wissenschaftlichen Experimente, die in den Sitzschienen auf Racks befestigt werden. Für besondere Versuchsanordnungen wird ein Fenster entnommen und durch ein Ventil ersetzt. Im Cargobereich werden zehn Converter installiert, die rund 30 Kilowatt für Experimente zur Verfügung stellen. Da die Bordküchen stillgelegt sind, reicht die Energie der Triebwerke dafür aus. Und weil das Flugzeug durch 53 im hinteren Teil der Kabine verbleibende Originalsitze hecklastig ist, kommen schließlich noch zwei Tonnen Stahlplatten als Kontergewicht in den Frachtraum. An der Struktur der A310 müssen die Ingenieure übrigens keine Modifikationen vornehmen, um sie für Parabelflüge tauglich zu machen. „Die Lasten steigen nicht über 1,8 g“, sagt Riemann. Das könne es auch im normalen Reiseflug geben, beispielsweise bei Turbulenzen. Dennoch sind die häufigen Lastwechsel für das Flugzeug strapaziös: Bei einem Flug mit 30 Parabeln werden die Flügel so stark beansprucht wie bei 50 normalen Flügen. Auch die Triebwerke werden stärker belastet, eine Parabel entspricht einem kompletten Flugzyklus. „Deshalb führen wir 50-mal häufiger Inspektionen durch, als das bei Verkehrsflugzeugen üblich ist“, erklärt Gharib. Mit der A310 Zero-G geflogen ist der Designingenieur Steinbeck übrigens noch nicht, auch wenn es ihn nach der intensiven Beschäftigung mit dem Flugzeug reizt. „Bisher gab es noch keine Gelegenheit dazu“, sagt er. 15 bis 20 Jahre hat er dafür noch Zeit – so lange soll die ehemalige 10+21 „Konrad Adenauer“ bei Novespace noch fliegen. FR Parabelflug Neun wissenschaftliche Kampagnen mit jeweils drei bis vier Flügen hat die A310 Zero-G von Novespace seit Ende April 2015 absolviert, hinzu kommen noch 14 kommerzielle Flüge. Zuletzt war das Flugzeug, das in Bordeaux stationiert ist, im September mit 15 Experimenten für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterwegs. Um eine Parabel zu fliegen, bringen die Piloten das Flugzeug ausgehend von sechs Kilometern Höhe in einen 45°-Steigflug auf 7,5 Kilometer. Dann werden die Triebwerke gedrosselt und der Steuerknüppel nach vorne gedrückt. Das Flugzeug steigt zunächst weiter bis auf 8,5 Kilometer, bevor es zu sinken beginnt. In dieser Phase wirkt nur noch die Schwerkraft, die Insassen befinden sich im freien Fall. Auf einer Höhe von 7,5 Kilometern fangen die Piloten das Flugzeug wieder ab. Wo früher Licht von außen in den Privatbereich des Bundeskanzlers fiel, sind heute die Fenster abgedunkelt. Gurte an der Decke sorgen neben einem gepolsterten Griff an der Seite für sicheren Halt in der Schwerelosigkeit. Fotos: Lufthansa Technik/Jan Brandes FLUG REVUE November 2016 69

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