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FLUG REVUE 12/2016

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Militärluftfahrt

Militärluftfahrt Chengdu J-10B Meng Long Die J-10C soll weiter verbesserte Systeme erhalten. deutlich verbesserte Mehrzweckeigenschaften verfügt; die J-10A dagegen wird überwiegend als taktischer Jäger eingesetzt. Neben den bereits genannten Änderungen wies die neue Version noch weitere Modifikationen auf: Das bislang runde Radom wurde durch eine ovales, deutlich schräg angesetztes ersetzt, die J- 10B verfügt über ein Infrarot-Zielsuchsystem in einer Verkleidung vor dem Cockpit. Die beiden charakteristischen Finnen am Heck wie auch das Seitenleitwerk wurden überarbeitet, um die Ra- darrückstrahlfläche zu reduzieren. Auch sonst weist der Rumpf einen höheren Anteil an modernen Materialien auf. Vor allem das Radom wurde als deutlicher Hinweis auf ein AESA-Radar (Radar mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung) interpretiert. Da nach dem Erstflug in recht rascher Sequenz bis 2011 vier weitere Prototypen folgten – darunter die Nr. 1035 erstmals mit dem chinesischen WS-10B-Triebwerk –, waren die Erwartungen groß, dass die neue Version bereits um 2012/13 in Dienst gehen könnte. Dies hat sich dann doch bis Ende 2014 verzögert, angeblich weil sowohl das vom 14. Institut entwickelte, im X- Band arbeitende AESA-Radar wie auch das WS-10B immer noch nicht serienreif waren beziehungsweise sich die Integration der gesamten Avionik komplexer gestaltete. Die Folge war, dass CAC mit der modifizierten Version des bewährten Triebwerks Saturn AL-31FN Serie 3 mit etwas höherem Schub (137 kN) erneut auf einen Antrieb russischer Herkunft zurückgriff und zunächst eine kleine Vorserie von etwa acht Maschinen für Entwicklung seit den 1980er Jahren: Die lange Geschichte der J-10 Fotos: China Internet via Ruprecht Rückblickend betrachtet begann die Geschichte der Chengdu J-10 Meng Long mit der Suche nach einem geeigneten Nachfolger für die J-7-Serie (Lizenzversion der MiG-21). Nach etwa dreijährigen Studien erhielt der Entwurf der Chengdu Aircraft Corporation (CAC) den Zuschlag. Dabei braucht sich die J-10 hinsichtlich Auslegung und Ausstattung nicht hinter anderen Mustern der vierten Generation zu verstecken: Sie folgt wie schon die IAI Lavi oder der Eurofighter dem Trend einer Delta-Canard-Auslegung, besitzt ein leistungsfähiges Typ-1473G-Radar (auch bekannt als KLJ-10), ein modernes Cockpit mit Bildschirmanzeigen, ein Fly-by-Wire-Flugsteuerungssystem und eine umfangreiche elektronische Ausstattung. Nachdem 1986 endgültig die Anforderungen der PLAAF festgeschrieben worden waren, begann eine lange und nicht ganz reibungslose Entwicklungsphase, die 1997 mit der Fertigstellung des ersten Prototyps ein wichtiges Etappenziel erreichte. Das Spannende an dieser Phase war, dass CAC aus ganz unterschiedlichen Bereichen „Hilfe“ in Anspruch nahm. Auch wenn es hierzu noch immer sehr kontroverse Ansichten gibt, wie weit diese Kooperationen gingen, so lässt sich sicher nicht leugnen, dass russische Ingenieure an der Integration des Saturn AL-31FN beteiligt waren und vor allem die geheimen Kontakte zur israelischen IAI eine große Rolle gespielt haben. Der Erstflug einer J-10 mit dem russischen Aggregat erfolgte knapp ein Jahr nach dem Roll-out am 23. März 1998. Die anschließende Flugerprobung verlief recht reibungslos, und die ersten Serienmodelle der J-10A wurden Anfang 2004 in Dienst gestellt. Bis 2014 wurden in sieben Produktionsblöcken etwa 230 Maschinen gefertigt. Ein Teil davon sind die landgestützte Marineversion J-10AH und die J-10AY für das Kunstflugteam „1. August“ (Ba Yi). Parallel zum Einsitzer J-10A folgte ab 2003 noch der Zweisitzer J-10AS (sowie J-10ASH und J-10SY), erkennbar am zweiten Cockpit und dem voluminösen Rumpfbuckel für die Avionik. Von der Zweisitzerversion liefen in drei Blöcken etwa 90 Maschinen vom Band. Mit dieser ersten Generation konnten insgesamt zehn Regimenter beziehungsweise Brigaden der PLAAF ausgerüstet werden. 50 FLUG REVUE Dezember 2016 www.flugrevue.de

Der Doppelsitzer J-10AS ging an alle Verbände. Das Kunstflugteam „1. August“ ist mit der J-10AY ausgerüstet. Daten Chengdu J-10B Allgemeine Angaben Muster Jäger/Jagdbomber Hersteller Chengdu Aircraft Corporation Besatzung 1 oder 2 Antrieb 1 Saturn AL-31FN Schub mit Nachbrenner 132 kN Abmessungen Länge 17,00 m Höhe 5,87 m Spannweite 9,75 m Flügelfläche 33,1 m 2 Massen Leermasse ca. 9750 kg Außenlasten 6000 - 8000 kg max. Startmasse ca. 19 000 kg Flugleistungen max. Fluggeschwindigkeit Mach 1.8 Einsatzradius ca. 550 km Bewaffnung 11 Außenlaststationen für Lenkwaffen, Bomben, Zusatztanks und Zielbehälter die Erprobung fertigte. Auch das eigentlich geplante Radar wurde durch ein Interimsmuster – ein X-Band-PESA (Radar mit passiver Strahlschwenkung) vom 607. Institut ersetzt. Alle 55 zwischen Dezember 2013 und Oktober 2015 gefertigten Maschinen entsprechen diesem Standard und werden als J-10B Block 01 bezeichnet. J-10C-MODELL SEIT 2013 IM FLUGTEST Parallel dazu erfolgte bereits im Dezember 2013 der Erstflug der ersten J-10B Block 02, die wenig später in J-10C umbenannt wurde. Dieses Modell soll nun tatsächlich über das ursprünglich geplante AESA-Radar sowie weitere Systemverbesserungen verfügen, es wird allerdings immer noch vom russischen AL-31FN Serie 3 angetrieben. Das wohl definitive WS-10B wurde in der Zwischenzeit in die letzten beiden J-10B (1- 54 und 1-55) installiert und beide Maschinen kurz vor Jahresende 2015 zur Erprobung an das Flugtestzentrum abgegeben. Gerüchten zufolge sollen erst ab Block 03 alle Maschinen mit einem nochmals leistungsgesteigerten WS-10B (mit ca. 140 kN) ausgerüstet werden. Es gibt Spekulationen, dass mit der J- 10D ein nochmals verbessertes Modell bereits in Entwicklung ist. Es scheint demnach, als hätten sich CAC und die Luftstreitkräfte (PLAAF = People‘s Liberation Army Air Force) darauf verständigt, mit der zweiten Generation der J-10 blockweise Verbesserungen einfließen zu lassen, während parallel die Fertigung weiterläuft. Somit wurden in der Zwischenzeit zwei Regimenter auf die J- 10B umgerüstet, und seit Mai 2016 erhielt zumindest eine Einheit auch die J- 10C. Zu diesen schrittweisen Verbesserungen auf dem Weg zu einem echten Mehrzweckjäger zählt auch die Integration eines IR-/Laser-Zielsuchbehälters vom Typ K/JDC01A sowie lasergelenkter Bomben, sodass die J-10 demnächst in der Lage sein sollte, selbstständig Präzisionsangriffe zu fliegen. FR www.flugrevue.de FLUG REVUE Dezember 2016 51

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